Proteste in Kiew gegen Russland : Der Maidan wendet sich gegen Putin

Nach dem Sturz des verhassten Ukrainischen Präsident Janukowitsch und den jüngsten Ereignissen auf der Krim gelten die Proteste in Kiew nun Moskau. Und auch in anderen ukrainischen Städten kam es Samstag zu Auseinandersetzungen.

Nina Jeglinski
"Putin, Hände Weg von der Ukraine" Eine Protestlerin vor der russischen Botschaft in Kiew. Foto: Reuters
"Putin, Hände Weg von der Ukraine" Eine Protestlerin vor der russischen Botschaft in Kiew.Foto: Reuters

„Putin hat uns den Krieg erklärt“ oder „Die Russen rächen sich an unserem Maidan“ – Sätze wie diese waren in der Kiewer Innenstadt am Samstag von beinahe jedem zu hören, den man über die Lage auf der Krim fragte. Während die neue ukrainische Regierung von Präsident Alexander Turtschinow und Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk, ihre Krisendiplomatie fortsetzt, scheinen die ukrainischen Bürger bereit zur Offensive zu sein, zumindest verbal. Auch als Deutsche hat man es dieser Tage nicht leicht in Kiew. „Ihr Deutschen habt euch von Gazprom kaufen lassen, deshalb kann euer Land uns jetzt nicht helfen“, brüllte ein Journalistenkollege.

Nach dreimonatigen Protesten gegen den verhassten Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch und die Korruption protestiert der Maidan nun lautstark gegen die russische Invasion der Halbinsel Krim. Die TV-Sender Espresso und Hromadske TV senden den ganzen Tag Livestreams, haben eigene Reporter in Simferopol, Sewastopol und Feodossija. „Wir werden uns auch in diesem Konflikt nicht auf die Bilder aus Russland oder anderen Ländern verlassen, wir wollen, dass unsere Zuschauer sich ein eigenes Bild verschaffen“, sagt Mustafa Naidem, Gründer von Hromadske TV.

Die ukrainischen Medien berichten fast einhellig, dass Russlands Invasion auf der Krim eine militärische Operation sei, die als Krieg enden könnte. Ein Journalistenbüro in Simferopol, dass sich auf investigativen Journalismus spezialisiert hat, schätzt die jetzige russische Truppenstärke auf 28 000 Soldaten. Das ist das Fünffache dessen, was der Verteidigungsminister der Ukraine am Samstag bekanntgab.

Angriff einer pro-russischen gruppe auf ein Maidan-lager in Charkiw. Foto: AFP
Angriff einer pro-russischen gruppe auf ein Maidan-lager in Charkiw.Foto: AFP

In den Großstädten der Ostukraine, in Charkiw und in Dnjpropetrowsk, ist es am Samstag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Vor allem in Charkiw eskalierte die Lage, als das Maidan-Lager im Stadtzentrum von einer Gruppe angegriffen wurde, zudem wurde das Verwaltungsgebäude der Stadt von Unbekannten gestürmt. Laut Medienberichten, soll es dabei mindestens 97 Verletzte gegeben haben. Bilder zeigen Menschen mit blutigen Kopfverletzungen. Fotos, die die bekannteste Internetzeitung des Landes „Ukrainiska Pravda“ online stellte, zeigen zudem, dass die Aktivisten des Charkiwer Maidans von den Angreifern eingekreist wurden.

Etliche der Angreifer trugen, offenbar als Erkennungszeichen, das orange und schwarz gestreifte Sankt-Georgs-Band. Diese Schleife wird in Russland zu hohen sowjetischen Feiertagen getragen. Die Farben gelten als Andenken an jene Einheiten der Roten Armee, denen der Orden der Russischen Garde für Kampfeinsätze verliehen wurde. Putin führte das Tragen des Bandes zu den 65-Jahre-Gedenkfeiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs 2005 wieder ein.

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