• Prozess um Bombe am Bonner Bahnhof: Lebenslange Haft für islamistischen Terroristen Marco G.
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Prozess um Bombe am Bonner Bahnhof : Lebenslange Haft für islamistischen Terroristen Marco G.

155 Verhandlungstage, 27 Sachverständige und 157 Zeugen: Der Terrorprozess um eine Bombe am Bonner Hauptbahnhof und ein islamistisches Mordkomplott gegen einen rechtsradikalen Politiker ist zu Ende.

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Der Angeklagte Marco G. am 08.09.2014 in Düsseldorf im Gerichtssaal des Oberlandesgerichtes.
Der Angeklagte Marco G. am 08.09.2014 in Düsseldorf im Gerichtssaal des Oberlandesgerichtes.Foto: Federico Gambarini/dpa

Mit hohen Strafen hat das Oberlandesgericht Düsseldorf den nur knapp gescheiterten islamistischen Bombenanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof und das vereitelte Attentat auf den Chef der rassistischen Partei Pro NRW geahndet. Der Staatsschutzsenat verurteilte am Montag den Salafisten Marco G. wegen des Angriffs auf den Bahnhof im Dezember 2012 und den drei Monate später versuchten Mord an dem Islamfeind Markus Beisicht zu lebenslanger Haft. Die Richter bescheinigten G. auch eine besondere Schwere der Schuld. Damit ist eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren Gefängnis ausgeschlossen. Drei weitere Angeklagte, die sich an der Vorbereitung des Attentats auf den Chef von Pro NRW beteiligt hatten, erhielten Strafen zwischen neuneinhalb und zwölf Jahren Haft.

Das Gericht hält den 30-jährigen Marco G. für schuldig, am 10. Dezember 2012 die in einer blauen Sporttasche versteckte Bombe am Gleis 1 des Bonner Bahnhofs abgestellt zu haben. Der Sprengsatz sei nicht explodiert, da der fragile Zünder vermutlich durch den Tritt eines Passanten beschädigt wurde, sagte der Vorsitzende Richter Frank Schreiber in der Urteilsbegründung. Der Verteidiger von Marco G. hatte beteuert, die Bombe sei eine Attrappe gewesen. Die Ermittler hatten den Zünder nicht finden können. Der Grund war vermutlich, dass die Polizei die Bombe mit einem Hochdruck-Wasserstrahl zerschoss, um sie zu entschärfen. Das Gericht geht dennoch davon aus, dass der Salafist einen Sprengsatz hergestellt hatte, der viele Menschen töten sollte.

Die Richter bewerten die Tat als Verabredung zum Mord

Im März 2013 wollte Marco G. mit dem aus Albanien stammenden Ex-Polizisten Enea B. (46), dem Deutschtürken Koray D. (28) und dem türkischstämmigen Deutschen Tayfun S. (27) den Vorsitzenden von Pro NRW ermorden. Die Gruppe hatte sich bereits zwei Pistolen und Schalldämpfer beschafft. Kurz vor der Tat nahm die Polizei die bereits überwachten Männer fest. Marco G. und Enea B. wurden erwischt, als sie in der Nacht zum 13. März 2013 die Wohnung von Markus Beisicht in Leverkusen ausspähen wollten. Die Richter bewerten die Tat als Verabredung zum Mord. Außerdem wurde die Gruppe wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung verurteilt.

Erst über das vereitelte Attentat war die Polizei auf die Spur von Marco G. gekommen. Die Ermittler hatten an der Bonner Bombe DNA von Sohn und Frau des Konvertiten entdeckt.

Der im September 2014 begonnene Prozess gegen die pöbelhaft auftretenden Angeklagten war langwierig. Mehr als 150 Verhandlungstage waren nötig, der Strafsenat hörte 157 Zeugen und 27 Sachverständige. Die Verteidiger forderten für die Angeklagten Freisprüche. Das Urteil entspricht jedoch weitgehend dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft.

Anklage gegen Bruder von Hannover-Attentäterin Safia S. erhoben

Unterdessen hat die Generalstaatsanwaltschaft Celle Anklage gegen den Bruder der jungen Attentäterin Safia S. erhoben. Saleh S. soll am 5. Februar 2016 in Hannover zwei Brandflaschen entzündet und in den Eingangsbereich des Einkaufszentrums Ernst-August-Galerie geworfen haben. Die Brandsätze streiften zwei Personen, erloschen aber vor dem Aufprall auf dem Boden. Der mit der Terrormiliz IS sympathisierende Angeschuldigte habe beabsichtigt, „möglichst viele ,Ungläubige’ zu töten“, teilte die Behörde mit. Sie wirft dem 18-jährigen Saleh S. versuchten Mord vor. Seine zwei Jahre jüngere Schwester Safia hatte am 26. Februar 2016 im Hauptbahnhof Hannover einem Bundespolizisten in den Hals gestochen. Das Oberlandesgericht Celle verurteilte die Jugendliche im Januar 2017 wegen versuchten Mordes und Unterstützung des IS zu sechs Jahren Jugendhaft.

Mit Sorge sehen die Sicherheitsbehörden zudem das rapide Wachstum der Salafistenszene. Ihr seien jetzt 10 000 Personen zuzurechnen, sagte das Bundesamt für Verfassungsschutz am Montag. Damit hat sich die Zahl der Salafisten in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. In Berlin, eine der Hochburgen der Szene, verlief die Entwicklung parallel. 2012 zählte der Verfassungsschutz hier 400 Salafisten, jetzt sind es 850.

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