Qualitätssiegel : Was wird aus "Made in Germany"?

04.02.2012 00:00 UhrVon Jahel Mielke
Steht für Güte wie kein zweites Siegel: Made in Germany. Foto: dpa
Steht für Güte wie kein zweites Siegel: Made in Germany. - Foto: dpa

Erfunden haben es die Engländer, lange war’s ein Stück deutsche Identität, jetzt diskutiert die EU.

Die U-Bahnlinie 6 hält an der Station „Borsigwerke“ im Norden Berlins. Das majestätische Backsteintor, das den Schriftzug „A. Borsig“ trägt, lässt erahnen, dass hier einst Großes geschah. Ende des 19. Jahrhunderts fertigte die Firma Borsig in Tegel auf 22 000 Quadratmetern Lokomotiven und Dampfmaschinen – ihre Produkte „Made in Germany“ wurden in die ganze Welt verkauft. 5000 Menschen arbeiteten um 1900 in der Fabrik, die sogar einen eigenen Hafen hatte. In der Industrialisierung wuchs das von August Borsig gegründete Unternehmen zu einem der größten Lokomotivenhersteller der Welt heran und lieferte jene hohe Qualität, für die Deutschland noch heute berühmt ist.

Der Glanz blieb bis zur Wirtschaftskrise der 1920er Jahre, dann musste die Bahnsparte an die AEG verkauft werden. 1934 war Schluss in Tegel.

Das Rattern und Fauchen der Maschinen, die Arbeiter im Akkord – all das ist heute unvorstellbar. Hinter dem alten Borsig-Tor erstreckt sich heute ein moderner Gewerbepark, was rauscht, ist der Verkehr. Die Firma Borsig gehört heute einem malaysischen Unternehmen, das unter altem Namen in Berlin Kühlsysteme herstellen lässt. „Made in Germany“, globalisiert.

Mit der Elektrotechnik und dem Maschinenbau hatte sich für Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts das Tor zum Weltmarkt geöffnet, Pioniere wie Daimler und Siemens exportierten ihre Produkte in alle Kontinente. Das Siegel „Made in Germany“ stand für Langlebigkeit, Qualität und Innovation. Auch heute sind Siemens und Daimler weltweit erfolgreiche deutsche Marken. Doch wie viel Deutschland steckt eigentlich noch in einem Auto oder einer Waschmaschine „Made in Germany“? Und wie viel Qualitätssiegel können und wollen wir uns in der globalisierten Welt noch leisten?

Für einen Porsche zahlen viele Kunden gerne etwas mehr. Der Cayenne, ein Geländewagen, wird in Leipzig gebaut, er ist „Made in Germany“. Seine Bleche aber kommen aus der Slowakei, die Sitze von einem amerikanischen Hersteller, das Getriebe aus Japan. Montiert wird der Wagen nach wie vor in Sachsen. „Nur durch deutsche Qualitätsarbeit können wir einen Premiumpreis für ein Premiumprodukt rechtfertigen“, sagte Ex- Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bei der Eröffnung des Leipziger Werks.

Dass das Label sich lohnt, weiß auch Justus Haucap, der an der Uni Düsseldorf das Institut für Wettbewerbsökonomie leitet. Er erzählt von Studien, in denen Kunden identische Toaster gezeigt wurden, auf einem stand „Made in Taiwan“, auf dem anderen „Made in Germany“. „Die Zahlungsbereitschaft der Kunden für Produkte ,Made in Germany’ war durchweg höher“, sagt er. Das Siegel lässt sich also zu Geld machen, und hat deshalb einen eigenen Wert. Die Marktforscher von Global Market Insite beziffern diesen auf 4,1 Milliarden Euro – nach Made in USA und Made in Japan das wertvollste Ländersiegel der Welt.

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