Politik : Rache für den Al-Qaida-Vize

Terrornetzwerk deutet Zusammenhang an. Auswärtiges Amt mahnt zu Vorsicht in muslimischen Ländern.

Bewachung ist möglich, Sicherheit gibt es nicht mehr. Afghanische Polizisten halten am Sonntag in Herat den Protest gegen das anti-islamische Video in Schach. Foto: dpa Foto: dpa
Bewachung ist möglich, Sicherheit gibt es nicht mehr. Afghanische Polizisten halten am Sonntag in Herat den Protest gegen das...Foto: dpa

Berlin - Der tödliche Angriff auf das amerikanische Konsulat in Libyen könnte ein Racheakt für die Tötung der Nummer zwei des Terrornetzwerks Al Qaida gewesen sein. Das erklärte die Gruppe Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) nach Angaben des auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierten US- Unternehmens Site.

Nach Angaben von Site erklärte Aqap, die Tötung des Al-Qaida-Vizechefs, des Libyers Abu Jahja al Libi, im Juni in Pakistan habe sich bei jenen rächen lassen, „die unseren Propheten angreifen“. Direkte Verantwortung für den Angriff, bei dem unter anderen der US-Botschafter Christopher Stevens getötet wurde, übernahm die Organisation nicht. Am 10. September hatte Al-Qaida-Chef Aiman al Sawahiri, der die Führung des Netzwerks nach der Tötung Osama bin Ladens durch ein US-Kommando im Mai 2011 übernommen hatte, per Video den Tod seines Stellvertreters durch eine Drohne in Pakistan erstmals bestätigt. Am Tag darauf wurde das US-Konsulat in Bengasi angegriffen.

Der Chef der libyschen Volksversammlung, Mohammed al Megarjef, sagte, an der Attacke auf das UN-Konsulat seien auch ausländische Kämpfer beteiligt gewesen. Der Angriff sei „geplant“ gewesen und peinlich genau ausgeführt worden. Von offizieller US-Seite hieß es, die Angreifer hätten den Protest vor dem Konsulat als „Vorwand“ für ihre Attacke genutzt. In einer weiteren Botschaft rief Aqap die Muslime im Westen dazu auf, US-Vertretungen anzugreifen, berichtet Site.

Angesichts der Angriffe pries Präsident Barack Obama die USA als Land der Freiheit. „Jedem wütenden Mob stehen Millionen entgegen, die sich nach der Freiheit und der Würde und der Hoffnung sehnen, für die unsere Flagge steht“, sagte Obama in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Der UN-Sicherheitsrat erklärte, die Angriffe seien „nicht zu rechtfertigen“. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte dem Magazin „Foreign Policy“: „Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass diese Demonstrationen außer Kontrolle geraten.“ Das Pentagon schickte 50 Marineinfanteristen nach Libyen und etwa die gleiche Anzahl in den Jemen. Nach Informationen von „Foreign Policy“ erwägen die USA zudem, 50 Elitesoldaten in den Sudan zu entsenden. Das jemenitische Parlament lehnte die Präsenz von US-Marineinfanteristen vor der Botschaft in Sanaa ab.

Nach den Attacken in Khartum riet das Auswärtige Amt deutschen Staatsbürgern, das Gebiet um die Botschaft bis auf Weiteres zu meiden. Das Ministerium mahnte grundsätzlich zur Vorsicht bei Reisen in muslimische Länder. Für Sonntag war eine weitere Demonstration in Khartum angekündigt.

Die Regierung von Bangladesch hat sich für das Verbot des anti-islamischen Schmähvideos ausgesprochen. In der afghanischen Hauptstadt Kabul protestierten rund 1500 Menschen friedlich gegen den Film, sagte Polizeichef Abdul Salangi am Sonntag. Die Unruhen breiteten sich am Wochenende auf mehr als 20 Länder in Nahost, Afrika und Südostasien aus. Die französische Polizei nahm in Paris rund 150 Menschen vor der US-Botschaft fest. In Australien kam es bei Protesten in Sidney zu Krawallen.

Die höchste religiöse Autorität in Saudi-Arabien, Großmufti Scheich Abdel Asis al Scheich, mahnte zur Besonnenheit. „Muslime sollten sich nicht von Zorn und Wut von legitimer zu verbotener Aktion hinreißen lassen und so unwissentlich einige Ziele des Films erfüllen“, erklärte der Großmufti.

Google lehnte eine Bitte des Weißen Hauses ab, den islamfeindlichen Film von der Internetplattform Youtube zu entfernen. Der Zugang werde lediglich in einzelnen Ländern gesperrt, hieß es. Der mutmaßliche Urheber des islamfeindlichen Films wurde am Samstag von Beamten der US-Behörde für Bewährungsstrafen vernommen. dpa/dapd/AFP

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