Rassismus in der AfD : Björn Höcke ist keine Überraschung - und keine Ausnahme

Was tun, wenn ein hochrangiger Parteifunktionär rassistischen Unsinn redet? Da wäre ein Rausschmiss üblich und verständlich. Nicht so in der AfD. Ein Kommentar.

von
Björn Höcke ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Er steht mit extrem rechten und rassistischen Positionen in der AfD nicht alleine.
Björn Höcke ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Er steht mit extrem rechten und rassistischen Positionen in...Foto: Jens Wolf/dpa

Die AfD hat ein Problem. Jedenfalls sagt sie das, jedenfalls ein Teil von ihr, jedenfalls die Parteivorsitzende Frauke Petry. Das Problem besteht, so heißt es, in dem Thüringer Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke und dem, was er so tut und sagt.

Nun steht es völlig außer Frage, dass der beurlaubte Oberstudienrat Höcke (Sport und Geschichte) bei seinen pseudogelehrten Betrachtungen über angebliche Unterschiede im Fortpflanzungsverhalten von Europäern und Afrikanern nicht nur Unsinn verzapft, sondern blanken rassistischen Unsinn. Jede normale Partei hätte den Mann umstandslos rausgeschmissen. Die AfD nicht. Hat sie also gar kein Problem mit ihm – oder vielleicht einfach ein anderes?

Was die handelnden Personen angeht, ist die Frage nicht leicht zu beantworten, weil man in Frauke Petry oder Alexander Gauland nicht reingucken kann. Halten wir uns also ans Strukturelle. Die „Alternative“ ist als Professorenpartei von D-Mark-Schwärmern entstanden. Schon damals verbreitete sie einen nationalen Grundton, der spätestens mit der Annäherung an „Pegida“ im Osten ins Nationalistische umschlug. Pegida, nur zur Erinnerung, sind die, mit denen Petry „Schnittmengen“ sah und in denen Gauland die Fußtruppen der Bewegung witterte.

Der nationale Grundton ist nicht neu

Wer beim Nationalismus angekommen ist, für den ist der Weg zum Völkischen nicht weit. Er ist sogar ausgesprochen verlockend. Genetische, charakterliche und andere angeblich unwandelbare Merkmale taugen bestens als Begründung für Abwehr- und Ausgrenzungsstrategien gegen Fremde.

„Wir“ gegen „die“ funktioniert hingegen nicht mehr so gut, wenn man erst mal verstanden hat, dass „wir“ und „die“ schwammige, historisch gewachsene und also höchst wandelbare Realitäten darstellen. Wer nicht wenigstens insgeheim glaubt, dass er und seinesgleichen die Krone der Schöpfung bilden, ist für „Pegida“ unbrauchbar.

Finanzpolitik war der Anlass für die Partei - Fremdenfeinde brachten ihr Erfolg

Die AfD ist mit blässlicher Euro-Kritik entstanden, aber mit saftiger Fremdenfeindlichkeit groß geworden. Das Problem der AfD mit Höcke besteht darin, dass der Mann sich nicht um die Wortschleier schert, die andere ausbreiten.

Wenn er vor dem dunklen Dom zu Erfurt „Wir sind das Volk!“ ruft, dann verstehen seine Zuhörer seit Langem genau, dass er nicht das Staatsvolk des Grundgesetzes meint.

Damit wird er für jemanden wie Petry zur Gefahr. Die AfD-Chefin ist clever genug zu sehen, dass ihre Partei auf Dauer nur eine Chance hat, wenn sich ihre Wähler nicht fürs Parteibuch schämen müssen, und dass die Chancen dafür noch nie so gut waren wie in einer Zeit, in der man kein Fremdenfeind sein muss, um Ausmaß und Tempo des Flüchtlingszustroms schwierig zu finden.

Sind so viele Höckes ...

Man könnte jetzt also das Bild vom Zauberlehrling bemühen. Es wäre aber falsch. Goethes Nachwuchshexer wusste nicht, welche Geister er rief. Was von der AfD und ihrer Führung nach der Abspaltung des Gründers Bernd Lucke übrig war, weiß man ganz genau. Sie haben ihre Ungeister gewähren lassen, weil deren Wirken Stimmen brachte. Sie lassen sie auch heute noch gewähren.

Und keinen größeren Gefallen kann man ihnen tun, als den Streit um Höcke als Richtungskampf darzustellen. Das ist er nicht. Nach Höckes Auftritt bei Jauch tadelte ihn die AfD-Spitze wegen „politischer Torheit“ – eine Haltungsnote, keine Distanzierung. Wie denn auch? Die AfD ist voller Höckes. Sie braucht die. Sie dürfen sich halt bloß nicht erwischen lassen.