Rassistische Rhetorik : Warum die Rede von Akif Pirincci so widerwärtig war

Die Rede des Schriftstellers Akif Pirincci bei Pegida war menschenverachtend und rassistisch - aber aus anderen Gründen als den derzeit oft genannten.

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Akif Pirincci, Krimiautor und rechtspopulistischer Redner.
Akif Pirincci, Rechtspopulist.Foto: dpa

Die so genannte KZ-Rede des rechtspopulistischen Autors Akif Pirincci wird derzeit häufig falsch interpretiert. „Zumindest die, die auf der Bühne standen und bedauert haben, dass die KZs nicht mehr in Betrieb sind, das sind Nazis“, sagte zum Beispiel Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in den Tagesthemen. Auch "Spiegel Online" schreibt, Pirincci „bedauerte, dass es keine KZs mehr gibt“. Die Rede des ehemaligen Krimi-Autoren auf der Pegida-Bühne trieft in der Tat nur so vor Menschenverachtung und Rassismus. Da war die Rede von „Moslemmüllhalden“, „Umvolkung“ und dergleichen mehr.

Auch das KZ-Zitat ist widerlich und zutiefst menschenverachtend, aber auf andere Art, als sie derzeit oft gelesen wird. Pirincci hat sich nämlich nicht „KZs zurückgewünscht“, um Flüchtlinge dorthin zu verfrachten. Er hat – und das macht die Sache kein bisschen besser – aus den so genannten Asylkritikern die neuen Juden gemacht und aus bundesrepublikanischen Politikern und Amtsträgern die neuen Nazis. Das Zitat im Kontext: "Offenkundig scheint man bei der Macht die Angst und den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt zu haben, dass man ihm schulterzuckend die Ausreise empfehlen kann, wenn es gefälligst nicht pariert. Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb."

Statt „dem eigenen Volk“ also „schulterzuckend die Ausreise“ zu empfehlen, gäbe es für Politiker demnach noch „andere Alternativen“: Nämlich, ebendieses „eigene Volk“ in die KZs zu verfrachten. Die Interpretation, es ginge Pirincci dabei um die Flüchtlinge, kehrt den Sinn des Zitats um.

Kritik an Pirincci beruht auf falscher Lesart und lässt sich zu leicht kontern

Vielfach wird in den Debatten um die so genannte KZ-Rede nun nur noch der Satz „Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb" als Beleg angeführt. Darauf liegt auch der Fokus der Kritik an Akif Pirincci. Da dies aber auf einer falschen Lesart des Gesagten beruht, ist es für die Anhänger Pirinccis ein leichtes, der gesamten Rede den Mantel der Harmlosigkeit überzuwerfen. Denn wenn sich dieser Kernsatz als angeblich harmlos entlarven lässt, kann der Rest ja so schlimm nicht sein.

„Moslemmüllhalden“ – also die Entmenschlichung einer ganzen Bevölkerungsgruppe – taucht in vielen Artikeln gar nicht auf. Dabei wäre dies ein viel geeigneterer Fixpunkt, um den Nazi-Jargon zu entlarven. Denn die rhetorische Entmenschlichung von Juden, Kommunisten und anderen war in Nazi-Deutschland die Vorbereitung für die ganz reale Massenvernichtung in den Konzentrationslagern.

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