Razzia gegen Islamisten : Ermittlungen wegen gefälschter Reisepässe

Die Bundespolizei hat am Donnerstag in Düsseldorf und Schwelm Räume von Islamisten durchsucht. Diese wollten sich offenbar gefälschte französische Pässe verschaffen.

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Vermummte Polizisten tragen nach der Durchsuchung eines Objektes in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) einen Server in einen Van.
Vermummte Polizisten tragen nach der Durchsuchung eines Objektes in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) einen Server in einen Van.Foto: dpa

Mit beachtlichem Aufwand hat die Bundespolizei am Donnerstagmorgen in Nordrhein-Westfalen Räume von Islamisten durchsucht, die sich offenbar gefälschte französische Pässe verschaffen wollten. Bei der Razzia in zwei Häusern in Düsseldorf und einer Wohnung in Schwelm waren 80 Beamte im Einsatz, darunter die Spezialeinheit GSG 9. Die Bundespolizei hatte befürchtet, die Islamisten könnten bewaffnet sein. In einem der Häuser in Düsseldorf wohnt zudem nach Informationen des Tagesspiegels ein deutscher Konvertit, der zumindest 2009 in Kontakt stand zu dem britischen Dschihadisten Mohammed Emwasi, der später als Kopfabschneider „Jihadi John“ Geiseln des IS tötete.

Pässe waren wohl für Salafisten

Der deutsche Konvertit ist allerdings kein Beschuldigter in dem aktuellen Verfahren, das die Berliner Staatsanwaltschaft führt. Hier geht es um vier andere Islamisten. Im Februar hatte die Bundespolizei am Flughafen Berlin-Schönefeld einen Berliner festgenommen, der die gefälschten Pässe bei sich trug. Sie sollen für Islamisten, darunter ein Salafist aus Düsseldorf, gedacht gewesen sein. Es gebe einen „klaren Verdacht“, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD), ohne Details zu nennen.

Keine Verbindung nach Paris

Was die Männer mit den gefälschten Pässen geplant haben könnten, bleibt offen. Es gebe keine Verbindung zu den Anschlägen in Paris, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Ermittelt werde wegen Urkundenfälschung. Einer der insgesamt vier Beschuldigten sitzt allerdings nach Informationen dieser Zeitung seit der Rückkehr aus Syrien in Untersuchungshaft.

In Sicherheitskreisen hieß es zudem, dass der deutsche Konvertit und frühere Bekannte von „Jihadi John“ im selben Haus in Düsseldorf wohne wie ein Beschuldigter im aktuellen Verfahren, sei ein „auffälliger Zufall“. Der Konvertit war 2009 in Tansania zusammen mit Emwasi festgenommen worden. Die Behörden vermuteten, die beiden und ein weiterer Brite seien auf der Durchreise nach Somalia gewesen, um sich der islamistischen Miliz Al Schabaab anzuschließen.

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