Politik : Razzien gegen Neonazis

Ermittlungen wegen „Werwolf-Kommando“ Durchsuchungen auch in der Schweiz und Holland.

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München - Während im Münchener NSU-Prozess am Mittwoch Bilder der verbrannten Wohnung der Terrorzelle in Zwickau gezeigt wurden, gab es außerhalb des Oberlandesgerichts Aufregung wegen einer mutmaßlich weiteren braunen Terrorgruppe. Etwa 50 Beamte des Bundeskriminalamts und der Landeskriminalämter Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern durchsuchten vom Morgen an Wohnungen und weitere Räumlichkeiten von Rechtsextremisten in Norddeutschland. Parallel liefen Razzien in den Niederlanden und in der Schweiz, hier auch bei zwei inhaftierten Personen.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt, wie jetzt bekannt wurde, schon seit Monaten gegen insgesamt sechs Neonazis, die eine terroristische Vereinigung namens „Werwolf-Kommando“ gegründet haben sollen. Der Begriff erinnert an den Versuch des NS-Regimes, kurz vor dem Untergang noch einen Partisanenkrieg mit „Werwölfen“ zu entfachen.

Die Vereinigung habe das Ziel gehabt, das politische System Deutschlands zu beseitigen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. In Sicherheitskreisen hieß es, mutmaßlicher Rädelsführer sei der Schweizer Sebastien N. Der Rechtsextremist hatte im Mai 2012 in Zürich in einem offenbar unpolitischen Konflikt einen Mann angeschossen und flüchtete dann nach Hamburg. Sebastien N. hatte schon länger Kontakte zur Gruppierung „Weisse Wölfe Terrorcrew“. Sie ist seit Jahren als gewaltbereite Clique norddeutscher Neonazis bekannt.

Sebastien N. habe mit der Terrorcrew „die Idee entwickelt, den bewaffneten Kampf gegen das politische System in der Bundesrepublik zu führen“, hieß es in Sicherheitskreisen. Als Waffenlieferanten habe der Schweizer den Niederländer Jeroen B. genannt. Der Holländer konnte jedoch nichts beschaffen. Die deutschen Sicherheitsbehörden ermittelten dennoch mit den Kollegen in den Niederlanden und der Schweiz weiter. Sebastien N., den die Bundespolizei im Mai 2012 gleich bei der Ankunft in Hamburg festgenommen hatte, wurde im August an die Schweiz überstellt. Die Gruppierung habe weiterhin konspirativ Kontakt gehalten, sagte ein Experte. Dazu sei ein Computerprogramm für abhörsichere Kommunikation entwickelt worden.

Eine Verbindung zum NSU-Komplex sei nicht ersichtlich, sagten Sicherheitsexperten. Derweil warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in einem erstmalig versandten Newsletter vor der anhaltenden Gefahr des Rechtsterrorismus. Es sei kein Szenario auszuschließen. Der Newsletter wird vierteljährlich erscheinen. Die Texte befassen sich mit allen Arbeitsfeldern des BfV.Frank Jansen

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