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Razzien und Verbote : NRW-Innenminister: 1000 NPD-Plakate bei Dortmunder Neonazis gefunden

Gewaltbereite Kameradschaften wurden verboten. Es erfolgten Razzien in Privatwohnungen und Gefängnissen. Der Fund werde der Bund-Länder-Kommission als Material für ein mögliches NPD-Verbotsverfahren zur Verfügung gestellt.

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Die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen haben am 23. August den in der Geschichte des Landes massivsten Schlag gegen die rechtsextreme Szene geführt. Diese Gegenstände wurden am Wohnort eines Mitgliedes der rechtsextremistischen Vereinigung "Kameradschaft Aachener Land" in Jülich beschlagnahmt.Alle Bilder anzeigen
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23.08.2012 10:43Die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen haben am 23. August den in der Geschichte des Landes massivsten Schlag gegen die...

Bei der Razzia gegen eine verbotene Neonazi-Gruppe in Dortmund hat die Polizei rund 1000 Plakate der rechtsextremen NPD gefunden. Dies teilte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf mit. „Dies zeigt die enge Verflechtung dieser rechtsextremistischen Partei mit der gewaltbereiten Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen“, sagte der Minister. Der Fund beim „Nationalen Widerstand Dortmund“ werde der Bund-Länder-Kommission als Material für ein mögliches NPD-Verbotsverfahren zur Verfügung gestellt.

Jäger hatte am Donnerstagmorgen ein Verbot gegen die drei gefährlichsten Neonazi-Gruppierungen ausgesprochen, parallel begann die Polizei am frühen Morgen mit Razzien gegen 133 Personen in einem Dutzend Kommunen, darunter Aachen, Düren, Dortmund, Wuppertal. Mehr als 900 Beamte durchsuchten rund 120 Objekte. Das Verbot trifft die „Kameradschaft Aachener Land (KAL)“, die von Dortmund aus agierende „Kameradschaft Nationaler Widerstand Ruhrgebiet“ und die „Kameradschaft Hamm“. „Wir reißen damit große Löcher in das Netzwerk der Neonazis“, sagte Jäger.

In Dortmund wurden 93 Wohnungen und Vereinsheime aufgesucht, im Raum Aachen, Düren und Heinsberg 48. Dabei habe sich es sich jeweils um den bisher umfangreichsten Schlag gegen Rechtsextremismus gehandelt, erklärte der Sprecher. Die Beamten suchten zudem Vereinsmitglieder in Gefängnissen und einer Klinik auf, um ihnen die Verbotsverfügung auszuhändigen. Außerdem wurden ihre Zellen und persönlichen Gegenstände durchsucht.

Die Polizei in Aachen teilte mit, es seien zahlreiche „beweiswichtige Gegenstände“ beschlagnahmt worden. Weitere Details wollte ein Sprecher zunächst nicht nennen. In einer Wohnung in Jülich im Kreis Düren habe die Polizei Gegenstände gefunden, „bei denen es sich wohl um Waffen handelt“, sagte ein Sprecher. Spezialisten sollten nun prüfen, ob sie funktionstüchtig sind.

Video: Razzien in rechtsextremer Szene

Bei den Durchsuchungen werde das Vermögen der Kameradschaften beschlagnahmt, ihr Besitz eingezogen und das Tragen von Symbolen verboten, hieß es aus dem Ministerium. Zugleich wurde den Kameradschaften das Verbot schriftlich ausgehändigt. Bei der „Kameradschaft Aachener Land“ war es laut Polizei zunächst schwierig, ihnen Vereinsstrukturen nachzuweisen. Die Vereinigung sei in keinem Register eingetragen gewesen. „Verboten werden können nur Vereine, nicht Kameradschaften“, erklärte ein Sprecher.

Bildergalerie: Die Opfer der NSU

Ermordet aus reinem Hass - Die Opfer des NSU
Enver Şimşek, wird am 9.September 2000 von acht Schüssen getroffen. Der Besitzer eines Blumengroßhandels in Schlüchtern, Südhessen, war das erste Opfer der rassistisch motivierten Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). An jenem Tag fiel ein Mitarbeiter aus, der normalerweise seinen Blumenstand an einer Ausfallstraße nahe Nürnberg betreute. Şimşek fährt selbst nach Nürnberg und wird dort von den Tätern angeschossen. Es dauert noch zwei Tage, bis er in einem Krankenhaus am 11.September 2000 im Alter von 38 Jahren den Schusswunden erliegt. Der Fall wird von der Bundesregierung erst 2012 als rassistisch motivierte Straftat anerkannt. Zu Beginn wurde auch gegen die Frau und Verwandte des Mannes ermittelt. Die Polizei verdächtigte den Getöteten des Drogenhandels.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dpa
04.07.2012 15:04Enver Şimşek, wird am 9.September 2000 von acht Schüssen getroffen. Der Besitzer eines Blumengroßhandels in Schlüchtern,...

Die Polizeiaktionen begannen um 6.00 Uhr und dauerten bis in den Vormittag. Die Polizeipräsidien Aachen und Dortmund kündigten jeweils für 15.00 Uhr Pressekonferenzen mit ersten Ergebnissen an.

Alle drei jetzt verbotenen "Kameradschaften" gelten als gewaltbereit. Die KAL näherte sich sogar der Schwelle zum Terrorismus. Zwei Anhänger der Kameradschaft waren am 1. Mai 2010 mit selbstgebastelten Sprengsätzen nach Berlin gefahren. Die Minibomben, mit Glasscherben gespickt, sollten am Rande eines Aufmarsches von Rechtsextremisten auf Gegendemonstranten und Polizisten geworfen werden. Der Anschlag wurde durch eine Polizeikontrolle verhindert.

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