Reaktion auf Skandale : Spitzengespräch zur Organspende geplant

08.08.2012 09:41 Uhr
Es ist ein Spitzengespräch zur Organspende geplant - als Reaktion auf jüngste Skandale (im Bild: ein OP-Team bei einer Nierentransplantation). Foto: dpa
Es ist ein Spitzengespräch zur Organspende geplant - als Reaktion auf jüngste Skandale (im Bild: ein OP-Team bei einer Nierentransplantation). - Foto: dpa

Skandale erschüttern das deutsche Organspendesystem: In Göttingen und Regensburg wurden Akten manipuliert, nun geht es auch darum, dass bundesweit immer mehr Organe an Wartelisten vorbei vermittelt werden. Nun sind auf höchster Ebene Gespräche geplant.

In der Diskussion um die Vergabe von Spenderorganen in Deutschland soll es am Donnerstag ein Spitzengespräch von Bundesärztekammer, Deutscher Stiftung Organtransplantation und weiteren Experten geben. Eine Woche später sei ein Treffen mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) geplant, kündigte Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery am Mittwoch an. Die Linke forderte derweil eine staatliche Aufsicht über die Organvergabe.

Bei den anstehenden Gesprächen solle beraten werden, „ob wir bei der schnellen Organ-Zuteilung neue Regeln brauchen“, sagte Montgomery der „Bild"-Zeitung. Der Präsident der Bundesärztekammer warnte aber zugleich vor „Schnellschüssen“, diese würden nicht weiterhelfen. Ziel müsse vielmehr ein neues Prinzip bei der Vergabe von Spenderorganen sein. „Wir wollen das Vier-Augen-Prinzip einführen, bei dem ein unabhängiger Arzt feststellen muss, wie krank der Empfänger wirklich ist, damit die Liste nicht mehr gefälscht werden kann.“ In den vergangenen Wochen war ein möglicher Organspende-Skandal in Deutschland bekannt geworden. Die Justiz ermittelt an den Uniklinken Göttingen und Regensburg, ob im Zusammenhang mit Transplantationen Akten manipuliert wurden. Zudem wurde bekannt, dass bei der Vergabe von Spenderorganen in Deutschland immer häufiger ein Schnellverfahren angewendet wird.

So wird mittlerweile etwa jedes vierte Herz und mehr als jede dritte Leber in einem beschleunigten Verfahren vergeben, das eigentlich nur für Sonderfälle gedacht ist.

Man habe das beschleunigte Verfahren in den vergangenen Jahren bewusst erleichtert, um eine „möglichst gute Ausnutzung“ zu erreichen , sagte dazu am Dienstag Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Dies bedeute aber nicht, „dass uns die Dynamik dieser erleichterten Organvermittlung nicht erheblich irritiert“. Der Sonderfall dürfe „am Ende nicht zum Regelfall werden“, warnt er.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Karl Lauterbach nennt den starken Anstieg der beschleunigten Organvermittlung „hoch verdächtig“ und „medizinisch nicht nachvollziehbar“. Er sei allein durch demografische Entwicklungen und einen schlechteren Gesundheitszustand der Organspender nicht erklärbar. (AFP)

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