Rebellen friedenswillig? : FARC will in Kolumbien angeblich die Waffen niederlegen

Es wäre ein Durchbruch nach langen, zähen Gesprächen zwischen Regierung und Rebellen: Die linksgerichtete Guerilla-Organisation FARC in Kolumbien ist offenbar zu einer Friedenslösung bereit.

Humberto de la Calle, früherer Vizepräsident Kolumbiens, leitet für die Regierungsseite die Verhandlungen mit der FARC.
Humberto de la Calle, früherer Vizepräsident Kolumbiens, leitet für die Regierungsseite die Verhandlungen mit der FARC.Foto: dpa

Die Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der linksgerichteten Guerilla-Organisation FARC machen laut einem Bericht der kolumbianischen Tageszeitung „Vanguardia“ (Onlineausgabe Mittwoch) Fortschritte. „Die FARC hat zum ersten Mal in der Geschichte akzeptiert, die Waffen niederzulegen“, zitiert das Blatt den Verhandlungsführer der Regierung, Humberto de la Calle, unter Berufung auf die kolumbianische Nachrichtenagentur Colprensa.
De la Calle reagierte damit auf die Kritik der rechtskonservativen Partei des ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe, der dem aktuellen Amtsinhaber Juan Manuel Santos vorwirft, in den seit Ende 2012 in der kubanischen Hauptstadt Havanna laufenden Verhandlungen vor der FARC zu kapitulieren.


Unterdessen kündigte der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Augusto Castro Quiroga, an, Uribe und Santos zu einem Versöhnungsgespräch einzuladen. Das Treffen der zerstrittenen Politiker solle dazu dienen, den Friedensprozess zu stärken, den die kolumbianische Kirche ausdrücklich begrüßt.
Die FARC entstand 1964. Mit rund 9200 Kämpfern ist sie die größte Rebellenorganisation Lateinamerikas. Ihr werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die EU stuft sie als Terrororganisation ein. Bereits geeinigt haben sich beide Seiten in den Punkten Landverteilung, Drogenhandel und politische Integration der FARC. Derzeit laufen Gespräche zu den Fragen der Opferentschädigung und der Entwaffnung.
Zuletzt sorgten die Präsenz von FARC-Chef Rodrigo Londono Echeverry in Havanna sowie Gespräche zwischen FARC und einer weiteren Rebellenorganisation, der ELN, für Diskussionen.

Die kolumbianische Regierung verhandelt seit Ende 2012 in Havanna mit der linksgerichteten FARC-Guerilla über ein Friedensabkommen, bei dem bereits in einigen Punkten der Agenda Übereinstimmungen erreicht wurden. Auch die ELN, die zweitgrößte Rebellengruppe, hat Interesse an der Aufnahme von Gesprächen signalisiert. Der 50-jährige Konflikt in Kolumbien hat bislang rund 200 000 Menschen das Leben gekostet und fünf Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht. (KNA/dpa)

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