Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung : Bis zu 100 000 Kitaplätze fehlen

Durch den bald in Kraft tretenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gibt es einen Engpass. Die Förderung von Betriebskindergärten ist fehlgeschlagen. Die Verbände sehen die Lage aber nicht so dramatisch - und Familienministerin Schröder ohnehin nicht.

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Nicht genug Platz. In den Kitas kommt es zu Engpässen.
Nicht genug Platz. In den Kitas kommt es zu Engpässen.Foto: dpa

In drei Wochen haben Eltern bundesweit einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz auch für ihre ein- und zweijährigen Kinder – und es ist klar, dass zum Start nicht alles perfekt laufen wird. Der Deutsche Städtetag rechnet mit einem Defizit von 100 000 Plätzen für Kinder unter drei Jahren. Mit seiner Prognose knapp darunter liegt der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der von 80 000 fehlenden Plätzen ausgeht. Die beiden Verbände sehen die Lage aber nicht mehr als so dramatisch an wie noch vor Monaten. Und Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ohnehin nicht: In ihrer Behörde hält man die genannten Zahlen für überzogen. Sie selbst will an diesem Donnerstag mit einer Bilanz an die Öffentlichkeit gehen. Neue Daten werden zugleich vom Statistischen Bundesamt erwartet. Erforderlich sind bundesweit rund 780 000 Plätze, um den Rechtsanspruch umzusetzen.

Klagen von Eltern werde es nur „in Einzelfällen“ geben, versichern die Verbände. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, sagte dem Portal heute.de, die Kommunen hätten „einen beispiellosen Kraftakt hingelegt“. Probleme erwartet er weniger auf dem Land, insbesondere aber in Universitätsstädten. Die Erwartung von Eltern, die Kita um die Ecke zu bekommen, werde sich nicht immer erfüllen lassen. Bei den Eltern werde noch um Verständnis dafür geworben werden müssen, dass sich der Rechtsanspruch nicht auf einen bestimmten Platz in einem bestimmten Viertel erstrecke. Kritisch sehen die kommunalen Spitzenverbände auch den Mangel an ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern. „Die können wir nicht herzaubern“, sagte Landsberg. Stephan Articus vom Deutschen Städtetag erklärte, rund 10 000 Neuausgebildete würden fehlen.

Nicht gut läuft es beim Aufbau von Betriebskindergärten. Einer dem Tagesspiegel vorliegenden Antwort des Familienministeriums auf eine Anfrage der Linken zufolge wurden von 2008 bis 2012 aus einem Bundesprogramm nur 1600 Kitaplätze in deutschen Firmen gefördert, das kostete den Steuerzahler rund zwölf Millionen Euro. „Häufig lange Vorlaufzeiten“ bis zur Errichtung eines Betriebskindergartens gab das Schröder-Ministerium zu. Diana Golze, eine der Spitzenkandidatinnen der Linken bei der Bundestagswahl, wurde deutlicher: Das Interesse der privaten Wirtschaft an betrieblichen Kindergärten sei „überaus mager“, sagte sie und nannte das Bundesprogramm „eine Luftnummer“ und Geldverschwendung.

Auch die SPD nutzte das Thema für den Wahlkampf. Die „Saarbrücker Zeitung“ zitierte den Spitzenkandidaten Peer Steinbrück mit den Worten, seine Partei wolle 200 000 zusätzliche Kitaplätze schaffen, statt in den kommenden Jahren „vier Milliarden Euro für das sogenannte Betreuungsgeld zu verplempern“. Die neuen Plätze sollen demnach vor allem in westdeutschen Ballungsräumen entstehen – mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

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