Rechter Terror : Zschäpe unerkannt bei Rocker-Prozess

Die Terrorverdächtige Beate Zschäpe soll 2011 einen massiv gesicherten Rocker-Prozess im Erfurter Landgericht besucht haben. Dort soll sie einen Anwalt um Hilfe gebeten haben.

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Seit Monaten stehen die Rockerklubs in den Schlagzeilen - meistens deswegen, weil Mitglieder in Straftaten verwickelt sind.
Seit Monaten stehen die Rockerklubs in den Schlagzeilen - meistens deswegen, weil Mitglieder in Straftaten verwickelt sind.Foto: dpa

Im Fall der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gehen die Thüringer Sicherheitsbehörden nach Informationen des Tagesspiegels einer neuen Spur nach. Ein Rechtsanwalt habe der Staatsanwaltschaft berichtet, das NSU-Mitglied Beate Zschäpe habe sich im vergangenen Jahr am Rande eines Prozesses am Erfurter Landgericht gegen Bandidos-Rocker an ihn gewandt und gefragt, ob er ihr helfen könne, berichteten Sicherheitskreise.

Der Jurist, der in dem Verfahren einen der angeklagten Rocker verteidigte, habe der Frau seine Visitenkarte gegeben. Wie es weiter hieß, habe der Anwalt dann Ende 2011 Zschäpe auf den Fotos in den Medienberichten zum NSU wiedererkannt und die Staatsanwaltschaft informiert. Sollte der Anwalt tatsächlich von Zschäpe im Erfurter Landgericht angesprochen worden sein, wäre das ein Beleg „für die enorme Dreistigkeit, mit der sich die Mitglieder der Terrorzelle in der Öffentlichkeit bewegt haben“, sagte ein Sicherheitsexperte. Der Prozess gegen die Bandidos wurde von der Polizei massiv gesichert, Besucher mussten ihre Personalien angeben. Zschäpe war nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei häufig mit Ausweispapieren unterwegs, die auf den Namen der mutmaßlichen Unterstützerin Mandy S. oder einer weiteren Helferin aus der rechtsextremen Szene lauteten. Die Listen mit den Namen der Besucher des Prozesses habe das Landgericht aber bereits aus Datenschutzgründen vernichtet, sagten Experten.

Der Kampf gegen die kriminelle Rockerszene
Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte die Berliner Polizei mehrere Quartiere der Bandidos durchsucht. Dabei wurden schwere Waffen sicher gestellt, zum Beispiel dieses Sturmgewehr.Weitere Bilder anzeigen
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16.06.2012 17:41Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte...

Ein längerfristiger Kontakt zwischen dem Anwalt und der von ihm als Beate Zschäpe erkannten Frau soll jedoch nicht zustande gekommen sein. Offen bleibt, ob auch Zschäpes Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu dem Bandidos-Prozess gekommen waren und im Publikum saßen. Der Anwalt habe berichtet, Zschäpe sei in Begleitung von zwei Männern gewesen, die er aber nicht mehr identifizieren konnte, hieß es in Sicherheitskreisen. Eine Sprecherin des Thüringer Justizministeriums sagte am Dienstag, ein Anwalt aus dem Bandidos-Prozess habe im Dezember 2011 der Staatsanwaltschaft Gera mitgeteilt, Beate Zschäpe im Publikum gesehen zu haben. Dem Hinweis sei nachgegangen worden. Da aber die Anwesenheitsliste der Besucher nicht mehr existiere, hätten die Behörden die Angaben des Anwalts bislang nicht verifizieren können, teilte die Sprecherin mit.

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