Terrorzelle : V-Mann soll Jenaer Neonazi-Trio finanziell unterstützt haben

Ein seit Wochen schwelender Verdacht, scheint sich nun zu bestätigen: Ein V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes soll Kontakte zur Jenaer Terrorgruppe unterhalten und sogar Geld geschickt haben.

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Uwe Böhnhardt (M.) und der spätere stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Ralf Wohlleben (r.), aufgenommen im Herbst 1996 in Erfurt. Der inhaftierte Thüringer NPD-Funktionär Ralf Wohlleben soll bis in jüngste Zeit engen Kontakt zur Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) gehabt haben.
Uwe Böhnhardt (M.) und der spätere stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Ralf Wohlleben (r.), aufgenommen im Herbst 1996 in...Foto: dapd

Berlin - Ein ehemaliger rechtsextremer V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes steht nach Informationen des Tagesspiegels im Verdacht, 1999 zur Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) Kontakt unterhalten und finanzielle Unterstützung geleistet zu haben. Bei den Ermittlungen habe sich herausgestellt, dass der Spitzel, ein führendes Mitglied der Neonazi-Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“, im März 1999 der Terrorgruppe offenbar 500 D-Mark zukommen ließ, hieß es in Sicherheitskreisen.
Sicherheitsexperten sind „konsterniert“. Der seit Wochen schwelende Verdacht scheint sich nun zu bestätigten. Bei den Ermittlungen habe sich herausgestellt, dass der damalige Spitzel des Thüringer Verfassungsschutzes im März 1999 einem mutmaßlichen Helfer der Terroristen, Ralf Wohlleben, offenbar 500 D-Mark für das 1998 untergetauchte Trio übergab, erfuhr der Tagesspiegel am Sonntag aus Sicherheitskreisen. Wohlleben, später Vizechef der Thüringer NPD, sitzt wegen mutmaßlicher Beihilfe zu sechs Morden des NSU in Untersuchungshaft.

Der V-Mann, damals ein führendes Mitglied der Neonazi-Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“, soll im selben Monat auch konspirativ mit Uwe Böhnhardt, einem der drei Mitglieder der Terrorzelle, telefoniert haben. Nach bisherigen Erkenntnissen habe der Spitzel damals empfohlen, Böhnhardt und seine Kumpane Uwe Mundlos und Beate Zschäpe sollten sich bei einem Neonazi in Niedersachsen verstecken, sagten Sicherheitsexperten. Und sie klagten, dass vermutlich die zehn Morde und weitere Taten des NSU zu verhindern gewesen wären, wenn der V-Mann kein doppeltes Spiel getrieben und sein Wissen über die abgetauchten Neonazis dem Verfassungsschutz offenbart hätte. Die Serie der bislang der Terrorzelle zugeschriebenen Gewaltexzesse begann im Oktober 1999 mit einem Bankraub in Chemnitz, 13 weitere Überfälle folgten. Von September 2000 bis April 2007 sollen Mundlos und Böhnhardt zudem neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin in Heilbronn erschossen haben.

Unterdessen verstärkt sich der Verdacht gegen Wohlleben, er habe noch im Herbst Kontakt zur Terrorzelle unterhalten. „Er war bis zuletzt nah an den Dreien dran“, zitierte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ aus Sicherheitskreisen. Die Ermittlungen gegen ihn gestalteten sich allerdings schwierig, weil die Dateien auf seinen beschlagnahmten Computern aufwendig verschlüsselt seien. (mit dapd)

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