Rechtspopulismus : Europas Rechte feiern Trumps Sieg

Hauptsache gegen das "Establishment": Rechtspopulisten von Bachmann bis Wilders machen aus Trumps Wahlsieg eine Etappe ihrer rechten Kulturrevolution. Ein Kommentar

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Sehen herzige Zeiten auf sich zukommen: Marine Le Pen und Geert Wilders, die Rechtspopulisten aus Frankreich und den Niederlanden.
Sehen herzige Zeiten auf sich zukommen: Marine Le Pen und Geert Wilders, die Rechtspopulisten aus Frankreich und den Niederlanden.Foto: Reuters

Europas Rechtspopulisten jubeln. Geert Wilders, Marine Le Pen, Viktor Orban, Heinz- Christian Strache, Björn Höcke, Lutz Bachmann und zahllose Kommentatoren auf einschlägigen Websites – sie alle feiern Trump. Sein Erfolg wird als krachende Niederlage des „Establishments“ gewertet, gemeint ist das demokratische Spektrum von links über liberal bis konservativ. „Die politische Linke und das abgehobene sowie verfilzte Establishment wird Zug um Zug vom Wähler abgestraft“, sagt FPÖ-Chef Strache. Der Thüringer AfD-Frontmann Björn Höcke spricht von einem „Sieg der Demokratie über die zerstörerischen Kräfte des Systems“. Pegida-Agitator Lutz Bachmann fragt sogar bei Facebook den „Dear Mr. President Donald J. Trump“, ob er im Gefangenenlager Guantanamo einige Räume für „Verräter“ wie Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier reservieren könne. Trumps Sieg stärkt in Europa rechte Ressentiments – bis hin zum Hass.
Ähnlich waren auch schon die Reaktionen auf den Erfolg der Befürworter des Brexit. Damals wie jetzt geht es den Rechtspopulisten aber nicht nur um ein Thema. Jeder Sieg in einem Referendum oder einer Wahl wird als Etappe einer rechten Kulturrevolution begriffen. Die Wortwahl ist eindeutig: Es soll nicht nur eine gegnerische Partei abgewählt oder überstimmt werden, sondern das etablierte „System“ mit seinem „Establishment“ soll überwunden, ja zerschlagen werden.

Ihre Mission: Europa vor den politisch korrekten Eliten retten


Das Vokabular der Hetze wird gemixt aus Kampfbegriffen der Nazis und der linken 68er- Bewegung. Die Nazis schmähten die Weimarer Republik als „System“. Die 1968 revoltierenden Studenten in Paris, Berlin (und US-Metropolen) verhöhnten Bürgertum, Politiker und Medien als verknöchertes „Establishment“. Heute vereinnahmen Rechtspopulisten die Begriffe für ihre Wut. Sie gilt den längst relativ weltoffenen Eliten in Gesellschaft, Politik und „Lügenpresse“. Denn aus Sicht von Strache, Wilders, Höcke haben sich die 68er durchgesetzt mit ihrer linken Kulturrevolution. Die gekontert werden muss, um Europa, so der Angstwahn, vor politisch korrekten Eliten zu retten, die den Kontinent mit Migranten fluten und dem Islam ausliefern.
Trumps Parolen sind denen in Europa auf fatale Weise ähnlich. Und als designierter US-Präsident steigt Mister Hate Speech nun auf zur Galionsfigur der Rechtspopulisten bei uns. Das könnte der Schub sein für Erfolge bei den kommenden Wahlen in Österreich, den Niederlanden und Frankreich. Und wohl auch bei der nächsten Wahl zum Bundestag.

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Sorge in Deutschland nach Trump-Wahlsieg
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