Rechtspopulist Strache vor Triumph : „Daham statt Islam“

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache kann bei den Wahlen in Wien am Sonntag endgültig aus dem Schatten von Jörg Haider treten. Ein Porträt

Reinhard Frauscher
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache könnte die politische Landschaft Österreichs gehörig ins Wanken bringen.
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache könnte die politische Landschaft Österreichs gehörig ins Wanken bringen.Foto: Reuters

Heinz-Christian Strache bringt besser als jeder andere österreichische Politiker komplexe Zusammenhänge auf einfachste, ja primitive Formeln. „Ich bin der Zorro der innenpolitischen Landschaft, der für soziale Gerechtigkeit eintritt“, definierte er sich einmal selbst. Politische Korrektheit durchbricht er lustvoll und geplant. Das macht er bei vielen Sozialthemen so, bei denen er die SPÖ oft auch links überholt, und vor allem bei seinem Kernanliegen, einer schärferen Politik gegenüber Migranten.

Die Flüchtlingskrise wirkt wie ein Turbo für Straches Stimmenzuwachs. Die etablierten Parteien sind ratlos. So könnte der Außenseiter, zu dem er sich selbst stilisiert, bei der Landtagswahl in Wien am Sonntag zum wichtigsten Protagonisten der österreichischen Politik werden.

Strache holt immer mehr Stimmen im Arbeitermilieu

„H.C. Strache“ und seine FPÖ bekamen in aktuellen Umfragen 33,5 Prozent – und nur vier Prozent weniger als Bürgermeister Michael Häupl von der SPÖ, die seit 1919 die Stadt regiert.

Strache wurde in Wien geboren und hat Zahntechniker gelernt. Als Jugendlicher und junger Mann hatte er engen Kontakt zu betont rechtsradikalen Gruppen, unter anderem bei „Wehrsportübungen“. Mit 22 Jahren war er der Jüngste aller Bezirksabgeordneten und machte rasch Karriere in Jörg Haiders „Freiheitlicher Partei“. Als die sich 2005 abspaltete, übernahm Strache die „alte“ Rest-FPÖ und konsolidierte sie schneller, als jeder es ihm zugetraut hatte – schon vor Haiders Unfalltod 2008. Seither führt er sie unumstritten.

Dazu ist ihm kein Thema so lieb wie das geschürte Misstrauen gegen Ausländer und Migranten – und kein Spruch zu primitiv: etwa „Daham statt Islam“ oder „Pummerin (die größte Glocke des Wiener Stephansdoms) statt Muezzin“.

2005 wurde die FPÖ in Wien mit 14,8 Prozent der Stimmen knapp dritte Kraft, 2010 mit 25,8 Prozent schon locker zweite. Strache holt immer mehr Stimmen im Arbeitermilieu. Mittlerweile wählen 80 Prozent der Pflichtschulabsolventen (vergleichbar mit der deutschen Hauptschule) FPÖ und nicht mehr wie ein Jahrhundert lang die Sozialdemokraten. Hauptmotive sind geschürte Angst und diffuser Neid.

Als Bürgermeisterkandidat gibt sich Strache seriöser: „Selbstverständlich sind wir für Asyl“, sagt er, „für die, die es brauchen.“ Krieg sei kein Asylgrund. Konkrete Vorschläge, wie mit den Flüchtlingen umzugehen sei, hat er bisher nicht geliefert.

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