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Referendum in der Türkei : Fast 50 Prozent der Deutsch-Türken stimmten hierzulande ab

Am Ostersonntag läuft in der Türkei die Abstimmung über die von Präsident Erdogan angestrebte Verfassungsreform. Stimmberechtigte in Deutschland konnten schon jetzt wählen.

Deutsch-Türken vor der Stimmabgabe im türkischen Generalkonsulat.
Deutsch-Türken vor der Stimmabgabe im türkischen Generalkonsulat in Berlin.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Knapp die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken hat sich an dem Referendum zur Verfassungsreform in der Türkei beteiligt. Das sagte der Vizechef der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Atila Karabörklü, im RBB-Inforadio. Allerdings ist das noch nicht die abschließende Beteiligung: Auslandstürken können noch bis inklusive 16. April - dem Tag des Referendums in der Türkei - an Grenzübergängen abstimmen.

Mit der umstrittenen Reform sollen die Machtbefugnisse von Präsident Recep Tayyip Erdogan deutlich ausgebaut werden. Rund 1.4 Millionen Deutsch-Türken waren in Deutschland stimmberechtigt.

Von den Wahlberechtigten in Deutschland stimmten 660.780 (46,2 Prozent) in den von den hiesigen türkischen Konsulaten eingerichteten Wahllokalen ab. Weitere 36.083 (2,52 Prozent) wählten an Grenzübergängen zur Türkei.

Karabörklü rechnet damit, dass die Türken die Verfassungsreform mehrheitlich ablehnen. "In den Umfragen äußern sich viele Menschen nicht mutig und halten sich zurück, weil sie Angst haben und der Druck enorm ist", sagt er. "Deswegen sind die Umfragen aus meiner Sicht nicht so zuverlässig." Was die Stimmen der Türken in Deutschland angeht, erwartet Karabörklü, dass Befürworter und Gegner etwa gleichauf liegen - "vielleicht mit ein bisschen mehr für Ja."

Zum Ausgang der Abstimmung sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, der dpa: "Viele Menschen interessiert, wie die Türkei in Zukunft regiert wird - nicht, von wem sie regiert wird."

Knapper Ausgang erwartet

In der Türkei wird ein knapper Ausgang der Abstimmung am Ostersonntag erwartet. Die letzten Umfragen in der Türkei ergaben, dass 51 Prozent das Präsidialsystem ablehnten und sich 49 Prozent dafür und damit für eine Verfassungsänderung aussprachen.

Die relativ hohe Wahlbeteiligung in Deutschland spricht dafür, dass die Deutsch-Türken die Wahl ernst nehmen. "Bei den letzten Wahlen 2015 lag die Wahlbeteiligung bei etwa 40 Prozent", sagte Karabörklü.

Verdächtiger Brief in Generalkonsulat in Hannover eingegangen

Einen Tag nach dem Ende der Stimmabgabe in Deutschland für das Referendum ist am Montag im türkischen Generalkonsulat in Hannover ein verdächtiger Brief mit weißem Pulver eingegangen. Der Umschlag wurde sichergestellt und zur Untersuchung mitgenommen, teilte die Polizei mit. Worum es sich bei der Substanz handelt, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Vorübergehend wurde der Zugangsbereich zum Konsulat gesperrt. (AFP/dpa)

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