Rentenversicherung : Mehr Rente durch Zusatzeinzahlungen - Linke empört

Wegen hoher Erträge nutzen offenbar immer mehr Wohlhabende die gesetzliche Rentenversicherung zur Geldanlage. Für die Versichertengemeinschaft ist das nicht unproblematisch, findet die Linke.

Wer zusätzlich in die Rentenkasse einzahlt, bekommt hinterher mehr Rente.
Wer zusätzlich in die Rentenkasse einzahlt, bekommt hinterher mehr Rente.Foto: dpa

Die Linkspartei hat vor einem Missbrauch des Solidarprinzips in der gesetzlichen Rentenversicherung gewarnt. Eine Anfrage an die Bundesregierung habe ergeben, dass sich dort in der aktuellen Niedrigzinsphase immer mehr Wohlhabende mit freiwilligen Beiträgen „satte Gewinne“ sicherten, sagte Fraktionsexperte Ralph Lenkert dem Tagesspiegel.

Vor allem westdeutsche Männer

„Mit dieser speziellen Form der Geldanlage bereichern sich vor allem westdeutsche Männer auf Kosten der Versichertengemeinschaft“, sagte der Linkenpolitiker. Er forderte, den Höchstbeitrag um mehr als ein Drittel abzusenken, um die Pflichtversicherten zu schützen und „die Rentenversicherung für Spekulanten unattraktiv zu machen“.

(Einen ausführlichen Artikel, wie man auch als Pflichtversicherter durch Zusatzeinzahlungen die Rente erhöhen kann, finden Sie hier.)

Den Regierungsangaben zufolge haben im Jahr 2015 von den insgesamt 287 359 freiwillig Rentenversicherten 5045 Personen den Höchstbetrag von derzeit 1187,45 Euro im Monat eingezahlt. Von diesen „Sparern“ sind nur sieben Prozent Ostdeutsche und nur 86 Frauen. Im Durchschnitt betrug der Monatsbeitrag der freiwilligen Einzahler knapp 128 Euro.

Höhere Erträge als bei anderen Geldanlagen

Seit 2010 können Beamte und berufsständisch Versicherte, beispielsweise Anwälte, Ärzte oder Architekten, auch ohne vorherige Erfüllung der fünfjährigen Wartezeit freiwillige Beiträge für die Rentenkasse leisten, um sich so den Anspruch auf eine Regelaltersrente zu sichern. Dank hoher Rentenanpassungen verzinsen sich diese Beiträge seit Jahren besser als vergleichbar sichere Geldanlagen.

So kommt ein Versicherter, der aktuell in Rente geht, bei durchschnittlicher Lebenserwartung mit seiner gesetzlichen Rente momentan auf eine Rendite von rund drei Prozent. Und auch längerfristig sei von einer Rendite zwischen zwei und drei Prozent auszugehen, heißt es bei der Rentenversicherung.

Entsprechend nutzen immer mehr Bürger diese Möglichkeit einer zusätzlichen Altersvorsorge. Zwischen 2010 und 2015 stieg die Zahl der freiwillig Versicherten, die den Höchstbeitrag einzahlten, von 1586 auf 5045 Personen. Allein von 2014 auf 2015 gab es einen Anstieg um rund 33 Prozent. Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor. Es steht aber zu vermuten, dass die Zahl weiter stark steigt.

Belastung für spätere Generationen?

Experten verweisen darauf, dass diese Einzahler der Versichertengemeinschaft schadeten. Sie warnen vor einer zusätzlichen Belastung späterer Generationen, die dann auch noch für die Zusatzrenten freiwillig Versicherter aufkommen müssten. Zudem können freiwillige Einzahler ihre Beitragszahlungen einstellen wenn sich für sie das Beitrags-Leistungs-Verhältnis beziehungsweise die Beitragsrendite verschlechtere. Diese Möglichkeit hätten Pflichtversicherte, die später per Umlage für die Zusatzrenten der freiwillig Versicherten aufkommen müssten, nicht.

Die Deutsche Rentenversicherung dagegen findet die freiwilligen Einzahlungen „fair und nicht zu beanstanden“. Schließlich orientierten sich die späteren Renten allein an den zuvor geleisteten Beiträgen, sagte ein Sprecher. Zahlt man ein Jahr lang den Höchstbeitrag, erwirbt man dafür einen monatlichen Rentenanspruch von 64 Euro – und zwar ein Leben lang, egal wie alt man wird. Und im Todesfall können davon auch Hinterbliebene profitieren.

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