Reporter ohne Grenzen : Die 35 größten Feinde der Pressefreiheit

Diktatoren, Terrorgruppen und Drogenkartelle - Die Organisation „Reporter Ohne Grenzen“ prangert in einem Bericht die Feinde der Pressefreiheit an.

Jonas Schaible, Benjamin Moscovici
Kriegsfotografen in Aleppo. Syrien ist das tödlichste Land für Journalisten.
Kriegsfotografen in Aleppo. Syrien ist das tödlichste Land für Journalisten.Foto: Reuters/Salman

In einem Bericht nennt die Nichtregierungsorganisation „Reporter Ohne Grenzen“ Feinde der Presse beim Namen. Und dokumentiert genau ihre Taten – von Zensur über Verhaftungen bis hin zu Mord. Ein Überblick.

AFRIKA

PIERRE NKURUNZIZA, Präsident Burundis:

Seit einem gescheiterten Putschversuch vor anderthalb Jahren geht Nkurunziza hart gegen Oppositionelle vor. Medien, die über den Umsturzversuch berichteten, werden besonders verfolgt. Rund 100 Journalisten sind im Exil.

JOSEPH KABILA, Präsident der Demokratischen Republik Kongo:

Die Demokratische Republik Kongo ist für Journalisten auch nach dem Ende der Bürgerkriege lebensgefährlich. Mindestens acht Journalisten sollen unter Präsident Kabila getötet worden sein.

TEODORO OBIANG NGUEMA, Präsident Äquatorialguineas:

Schon seit 37 Jahren herrscht Nguema über das westafrikanische Land. Die meisten Medien sind in staatlicher Hand. In den vergangenen 12 Jahren wurden 15 Journalisten verhaftet.

ISSAIAS AFEWORKI, Präsident Eritreas:

Das ostafrikanische Eritrea ist eine der striktesten Diktaturen der Welt. Seit Jahren sperrt kein anderer afrikanischer Staat so viele Journalisten ein. Private Medien gibt es nicht mehr. Viele Journalisten haben das Land verlassen. Dutzende sollen in Haft gestorben sein.

YAHYA JAMMEH, Präsident Gambias:

Jammeh unterstellt Journalisten, sie würden das Land zerstören. Medien werden geschlossen, Journalisten verfolgt. Der Chef des „Daily Observer” wurde 2006 verhaftet und ist seitdem verschwunden.

PAUL KAGAME, Präsident Ruandas:

Der Ex-Rebellenführer hat Ruanda nach dem Völkermord von 1994 modernisiert, Kritiker verfolgt Kagame aber hart. In den vergangenen 20 Jahren sind acht Journalisten getötet worden oder verschwunden.

AL SHABAAB, Islamistenmiliz in Somalia:

Journalisten können in Gebieten, die Al Shabaab kontrolliert, nicht frei arbeiten. Dutzende wurden getötet, oft bei Anschlägen, zu denen sich niemand bekennt.

SALVA KIIR, Präsident Südsudans:

Salva Kiir, Präsident des Südsudan.
Salva Kiir, Präsident des Südsudan.Foto: Reuters/Solomon

Wer über den Bürgerkrieg Salva Kiirs gegen seinen Konkurrenten Riek Machar berichtet, ist in Gefahr. Kiir hat Journalisten in einer Rede offen mit dem Tod bedroht.

OMAR AL BASHIR, Präsident Sudans:

Allein in den vergangenen sechs Jahren hat al Bashir 165 Mal ganze Zeitungsausgaben konfisziert und 139 Journalisten verhaftet oder verfolgt. Der Bürgerkrieg in Darfur und der Internationale Haftbefehl gegen al Bashir sind Tabuthemen.

ROBERT MUGABE, Präsident Simbabwes:

Mugabe regiert seit 36 Jahren, hält trotz seiner 92 Jahre am Amt fest – und das Fernsehen unter Kontrolle. Zensur ist üblich. Mindestens 38 Journalisten sollen alleine seit 2008 angegriffen, rund hundert festgenommen worden sein.

EUROPA/ZENTRALASIEN

ILHAM ALIYEV, Präsident Aserbaidschans:

Die Hauptstadt Baku poliert Aliyev auf Hochglanz. Mindestens acht Journalisten und Blogger sitzen im Gefängnis. Die Investigativjournalistin Khadija Ismayilowa wurde mit einem Sexvideo bloßgestellt und zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie ist auf Bewährung frei.

ALEXANDER LUKASCHENKO, Präsident Weißrusslands:

Nach Protesten im Jahr 2011 wurden zwischenzeitlich dutzende Journalisten festgenommen. Derzeit sitzt einer im Gefängnis. Die Arbeit auch ausländischer Medien wird behindert.

RAMZAN KADYROW, Präsident Tschetscheniens:

Kritiker und Medien gelten Kadyrow, der Wladimir Putins Duldung genießt, als Verräter und Volksfeinde. Im Jahr 2009 wurde Natalja Estemirowa in der Hauptstadt Grosny entführt und ermordet.

WLADIMIR PUTIN, Präsident Russlands:

Verstärkt seine Kontrolle von Nichtregierungsorganisationen wie Medien. Vier Journalisten sitzen im Gefängnis. Immer wieder werden kritische Journalisten getötet – die Zeitung „Nowaja Gaseta“ hat in der Redaktion eine Totengalerie.

NURSULTAN NAZARBAYEV, Präsident Kasachstans:

Kritische Berichterstattung ist in Kasachstan nicht mehr möglich, seit die Regierung 2012 sämtliche Medien schließen ließ, die der Opposition nahe standen. Auch im Internet sind alle kritischen Seiten blockiert.

RECEP TAYYIP ERDOGAN, Präsident der Türkei:

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.Foto: Reuters/Garrido

Seit dem Putsch vom 15. Juli wurden 124 Medienhäuser geschlossen und über 200 Journalisten verhaftet. Erdogan wirft seinen Kritikern vor, Terroristen zu unterstützen und fordert die Wiedereinführung der Todesstrafe.

GURBANGULY BERDYMUKHAMMEDOV, Präsident von Turkmenistan:

Die Medien in Turkmenistan stehen unter absoluter staatlicher Kontrolle. Jede Abweichung von der politischen Linie der Staatspropaganda wird bestraft.

ZENTRAL- UND SÜDAMERIKA

RAÚL CASTRO, Präsident Kubas:

Der Staat kontrolliert Fernsehen, Radio und Zeitungen, unabhängige Journalisten werden bedroht und landen im Gefängnis. Allein diesen Sommer gab es rund 500 Angriffe auf Journalisten. Kritische Berichterstattung ist nur aus dem Exil möglich.

LOS ZETAS, mexikanisches Drogenkartell:

Die Gewalt der Drogenkartelle hat in Mexiko ein Klima der Angst erzeugt, in dem die Medien sich selbst zensieren. Dutzende Journalisten, die über die Kartelle berichteten, wurden entführt und getötet.

NICOLÁS MADURO, Präsident Venezuelas:

Der Staat kontrolliert zahlreiche Medienhäuser, und einige der größten Zeitungen und Fernsehsender gehören Freunden des Präsidenten. Unabhängige Journalisten werden vom Geheimdienst und der Polizei überwacht und eingeschüchtert.

ASIEN

TALIBAN, Islamisten in Afghanistan:

Die von den Taliban kontrollierten Gebiete in Afghanistan sind Schwarze Löcher für die Berichterstattung. Journalisten wurden Opfer von Morden, Entführungen und Bombenanschlägen.

ANSARULLAH BANGLA, Islamistische Terrororganisation in Bangladesch:

Die Dschihadisten wurden mit Morden an Journalisten bekannt. Blogger zerhackten sie in der Öffentlichkeit mit Macheten. Auch Facebooknutzer, die angeblich Gotteslästerliches geäußert hatten, wurden bereits getötet.

XI JINPING, Präsident der Volksrepublik China:

In China sitzen derzeit mehr als 100 Journalisten und Blogger im Gefängnis. So viel wie nirgends sonst auf der Welt. Das Internet ist stark zensiert. Unabhängige Journalisten werden eingeschüchtert, bedroht, zu Geständnissen gezwungen und zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt.

KIM JONG UN, „Oberster Führer“ von Nordkorea:

Kim Jong Un, der "Oberste Führer" von Nordkorea.
Kim Jong Un, der "Oberste Führer" von Nordkorea.Foto: AFP/KCNA VIA KNS

Die Medien in Nordkorea überschlagen sich in einer endlosen Reihe von Lobpreisungen des „Obersten Führers”. Eine kritische Berichterstattung ist nicht einmal in Ansätzen möglich.

ISI, pakistanischer Geheimdienst

Der Geheimdienst spielt eine zentrale Rolle in Pakistan. Beobachter sprechen von einem Staat im Staat. Der ISI soll mindestens drei Journalisten getötet haben. Dutzende wurden verhaftet und verhört.

LEE HSIEN LOONG, Premierminister Singapurs:

Der Sohn des ewigen Premiers Lee Kuan Yew greift im reichen Stadtstaat durch wie sein Vater: nicht brutal, aber unerbittlich. Wichtigstes Mittel: Klagen. Zahlreiche Nachrichtenseiten wurden geschlossen, Blogger und Bürgerjournalisten zu hohen Haftstrafen verurteilt.

PRAVUT CHAN-O-CHA, Premierminister Thailands:

Der Ex-Putschist ist heute ziviler Regierungschef Thailands. Er drohte Journalisten öffentlich Hinrichtungen an. Kritik an der Regierung ist weitgehend untersagt. Zusätzlich drohen drakonische Strafen wegen Beleidigung des Königshauses.

NGUYEN PHU TRONG, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Vietnams:

Freie Medien gibt es in Vietnam faktisch nicht. Blogger und Bürgerjournalisten sind die wichtigste Quelle für unabhängige Informationen. 15 von ihnen sollen derzeit im Gefängnis sitzen.

NAHER OSTEN

HAMED BIN ISA AL KHALIFA, König von Bahrain:

In der winzigen Golfmonarchie sitzen derzeit mindestens zwölf Journalisten im Gefängnis, teilweise lebenslänglich. Anderen wurde gedroht, die Staatsbürgerschaft zu entziehen.

ABDEL FATTAH AL SISSI, Präsident Ägyptens:

In Ägypten werden Journalisten in Schauprozessen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und von Schlägertrupps der Regierung bedroht. Seit Sissis Machtübernahme wurden 13 Journalisten getötet.

ALI CHAMENEI, Irans Staatsoberhaupt:

Hunderte Journalisten wurden seit Beginn der „Islamischen Revolution“ 1979 verhaftet, viele mussten das Land verlassen. Derzeit sind mindestens 24 Journalisten inhaftiert.

SALMAN BIN ABDELAZIZ AL SAUD, König Saudi-Arabiens:

Der neue saudische König Salman Abdelaziz al Saud.
Der neue saudische König Salman Abdelaziz al Saud.Foto: AFP/LOEB

2014 wurde der saudische Blogger Raif Badawi zu 10 Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Außer ihm sitzen mindestens zehn weitere Journalisten und Blogger im Gefängnis.

BASCHAR AL ASSAD, Präsident Syriens:

Einst vom Westen als Reformer gefeiert, hat Assad das Land in einen Bürgerkrieg gestürzt, in dem seit 2011 rund 200 Journalisten getötet wurden. Damit ist Syrien das tödlichste Land für Journalisten.

„ISLAMISCHER STAAT“, Terrormiliz in Syrien und Irak:

Die Dschihadisten haben seit 2014 dutzende syrische und irakische Journalisten getötet und drei ausländische Reporter enthauptet. Journalistenmorde gehören zur Propaganda. Derzeit sollen sich rund 20 Journalisten in ihrer Gewalt befinden.

HUTHIS, jemenitische Miliz:

Seit der Machtübernahme der Huthis wurden Journalisten entführt und bedroht. Der Anführer der Huthis sagte, Journalisten seien „gefährlicher als Luftangriffe“.

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