Sachsen : Anschlag auf Flüchtlingsprojekt in Borna

Auf ein Flüchtlingsprojekt in Borna ist ein Anschlag verübt worden. Integrationsministerin Petra Köpping sagt: Die Lage in Sachsen bleibt zugespitzt.

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Auftritt des Vereins "Bon Courage" auf Facebook
Auftritt des Vereins "Bon Courage" auf FacebookScreenshot: Tagesspiegel

Erst Ende April hat das Flüchtlingsprojekt "Bon Courage" im sächsischen Borna seine neuen Räume eröffnet. In der Nacht zum Mittwoch wurde von Unbekannten ein Anschlag auf das Gebäude verübt: Scheiben wurden eingeworfen und eine übelriechende Flüssigkeit ausgebracht, vermutlich Buttersäure. Landesintegrationsministerin Petra Köpping (SPD) fuhr zum Tatort und sagte: "Die Lage in Sachsen bleibt zugespitzt."

Köpping, die früher Landrätin der Region war, sagte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass es in Sachsen Orte gibt, an denen eine Atmosphäre der Angst herrscht und eine Unkultur des Wegschauens. Es bleibt nicht bei verbalen Angriffen, es kommt zu ungenierter Gewalt." Das sei immer wieder beängstigend. Betroffen seien immer häufiger auch Ehrenamtliche, die sich für Flüchtlinge engagieren.

"Wir werden das Problem so lange haben, so lange Diskriminierung als etwas Normales empfunden wird", betonte die SPD-Politikerin weiter. "Es ist unsere Aufgabe, auf rassistische, fremdenfeindliche und rechtsextreme Umtriebe hinzuweisen und sie nicht zu verharmlosen. Und wir müssen diejenigen unterstützen, die sich für Demokratie einsetzen und dem oft blinden Hass gegenüber anderen entgegentreten."

Der Leipziger Polizeisprecher Uwe Voigt sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Da wir von einer politisch motivierten Straftat ausgehen müssen, ist der Staatsschutz eingeschaltet."

Der Verein "Bon Courage" war 2007 gegründet worden. Er setzt sich unter anderem für Flüchtlinge und ihre Integration ein und unterstützt verschiedene Projekte der Jugendbildung. Zur Einweihung der neuen Räume hatte er erklärt, diese bedeute "einen großen Schritt nach vorn, aber zugleich einen, der für uns mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden ist".

Zuletzt gab es im März einen Angriff auf das Deutsch-arabische Zentrum in Borna, wie der MDR berichtete. Unbekannte hatten Scheiben eingeschlagen und offenbar mit Schweineblut gefüllte Beutel in den Gebetsraum geworfen. Vor einem Jahr fand in der Kleinstadt bei Leipzig zudem eine Razzia gegen Rechtsextreme statt. Die Mitglieder der sogenannten "Oldschool Society" sollen Anschläge auf Asylunterkünfte geplant haben. Im April hat in München der Prozess gegen die mutmaßliche Terrorgruppe begonnen.

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