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Sachsen : Anschlagversuch auf Flüchtlingsunterkunft in Meißen

Ende Juni wird ein Brandanschlag auf eine noch unbewohnte Flüchtlingsunterkunft in Meißen verübt. Mutmaßlich extremistische Täter haben nun erneut versucht, das Haus zu zerstören.

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Ende Juni brennt es in der noch unbewohnten Flüchtlingsunterkunft, weite Teile des Gebäudes werden in Mitleidenschaft gezogen.
Ende Juni brennt es in der noch unbewohnten Flüchtlingsunterkunft, weite Teile des Gebäudes werden in Mitleidenschaft gezogen.Foto: Roland Halkasch

Unbekannte haben erneut versucht, eine künftige Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Meißen zu zerstören. In der Nacht zum Freitag sei in das noch leerstehende Haus eingebrochen und versucht worden, es mit Wasser zu fluten, sagte Eigentümer Ingolf Brumm am Montag. Die Eindringlinge hätten in der oberen Etage an zwei Stellen Wasserhähne aufgedreht. Das Wasser sei abgestellt gewesen, so dass keine größeren Schäden entstanden seien.

Ende Juni war bereits ein Brandanschlag auf die geplante Unterkunft verübt worden, der weltweit Schlagzeilen gemacht hatte. Damals hatte sich am Vorabend die Anti-Asyl-"Initiative Heimatschutz" auf der Meißener Eisenbahnbrücke zu einer Aktion gegen Flüchtlinge versammelt. Sie bestritt später vehement, etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben.

Hauseigentümer Brumm hatte nach dem Brandanschlag erklärt, dieser sei "keine kriminelle Tat eines Einzeltäters, sondern ein gezielter Akt mit klar terroristischem Hintergrund". Er berichtete damals weiter, seit der Brandnacht Ende Juni sei der Terror ständiger Begleiter mit "inszenierten Fehlalarmen, Drohanrufen, Hetze im Internet, Drohmails mit dem klaren Aufruf mich, meine Familie und vor allem meine Firma ,zur Strecke zu bringen'". Dies gipfelte laut Brumm in einer Mitteilung, dass ein Kopfgeld auf seine Person ausgesetzt worden sei.

Die Initiative Heimatschutz hat in Meißen seit dem Anschlag mehrere Anti-Asyl-Demonstrationen organisiert, zuletzt nahmen rund 700 Personen teil. Am kommenden Mittwoch will sie erneut demonstrieren. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte Ende Juni bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes mitgeteilt, dass die Zahl der Angriffe gegen Flüchtlingsheime in Deutschland rasant angestiegen ist.

Die Polizei bestätigte den neuen Vorfall. Wieder übernahm das für extremistische Straftaten zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei die Ermittlungen. In dem Haus mit acht Wohnungen sollen 35 Asylbewerber untergebracht werden. Nach Beseitigung der Brandschäden soll es noch im Herbst bezugsfähig sein. (mit dpa)

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