Politik : Sarah Palin will nicht ins Weiße Haus

Mitt Romney jetzt aussichtsreichster Republikaner

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Foto: Tannen Maury/dpa
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Es wird immer wahrscheinlicher, dass Amerikas Konservative sich darauf einstellen müssen, mit Mitt Romney in die Präsidentschaftswahl 2012 zu ziehen: einem Bewerber, für den sich die republikanische Basis nicht begeistern kann, der dafür aber gute Chancen hat, die wahlentscheidenden parteilosen Wähler in der Mitte der Gesellschaft zu gewinnen.

Am Mittwochabend hatte Sarah Palin, die Vizepräsidentschaftskandidatin von 2008, erklärt, dass sie nicht antritt. Nach einer neuen Umfrage der „Washington Post“ lehnen zwei Drittel der Republikaner eine Kandidatur Palins ab. Sie hat viele frühere Anhänger verärgert, weil sie seit Monaten taktierte, Erwartungen weckte und doch wieder enttäuschte. Man hielt ihr vor, sie habe sich längst dafür entschieden, Geld zu verdienen, statt an ihrer politischen Karriere zu arbeiten, und halte die Spekulationen nur deshalb am Leben, weil das ihrem Marktwert als Buchautorin, Vortragsrednerin und Fernsehkommentatorin nütze. Palin schrieb in einer E--Mail an ihre Anhänger, sie trete aus Rücksicht auf ihre Familie nicht an und wolle ihr die Strapazen eines Wahlkampfs nicht zumuten. Sie sei nun „von Fesseln befreit“ und könne umso aktiver darauf Einfluss nehmen, wer für die Republikaner in den Wahlkampf gegen Präsident Obama zieht.

Einige Kandidaten warben sogleich um Palins Unterstützung. Texas-Gouverneur Rick Perry, der im August zum aussichtsreichsten Bewerber aufgestiegen war, aber im September nach pannenreichen Auftritten in Fernsehdebatten zurückfiel, sagte, Palin sei „eine gute Freundin, eine großartige Amerikanerin und eine wahre Patriotin“. Am Dienstag hatte ein anderer Hoffnungsträger der Republikaner eine Kandidatur ausgeschlossen: Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey.

Damit steht das republikanische Bewerberfeld nun fest. Wegen der organisatorischen Herausforderungen wird wohl niemand mehr neu ins Rennen einsteigen. Die Anmeldefristen für die Vorwahlen in den 50 Bundesstaaten enden in wenigen Wochen. Da erneut einige Staaten die Terminvorgaben der Parteiführung missachten und eigenmächtig ihre Vorwahl nach vorne ziehen, um mehr Einfluss auf die Kandidatenauswahl zu gewinnen, werden die Vorwahlen wohl bereits am 3. Januar in Iowa beginnen, gefolgt von New Hampshire am 7. Januar, Nevada am 14. Januar, South Carolina am 21. Januar und Florida am 31. Januar.

In jüngsten Umfragen hat sich Mitt Romney mit 25 Prozent wieder an die Spitze gesetzt. Er hat als Investmanager, der Firmen aufkaufte, in gewinnbringende Teile zerlegte und wieder verkaufte, Millionen verdient. Als Gouverneur des Ostküstenstaats Massachusetts hat er eine ähnliche Gesundheitsreform verabschiedet wie Obama landesweit. Viele Republikaner halten Romney für zu liberal, christliche Wähler misstrauen ihm, weil er Mormone ist. Laut Umfragen hat er aber die besten Chancen, Obama zu besiegen.

Auf Platz zwei der Kandidaten stehen Herman Cain, der schwarze Ex-Manager von „Godfather’s Pizza“, und Perry mit je 16 Prozent, gefolgt von dem Libertären Ron Paul mit elf Prozent. Die übrigen vier Bewerber sind abgeschlagen.

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