Saudi-Arabien : Blogger Raif Badawi wird angeblich begnadigt

Seit 2012 ist der saudi-arabische Freiheitskämpfer und Blogger Raif Badawi wegen Kritik am Islam inhaftiert. Jetzt berichtet ein schweizerischer Diplomat von seiner bevorstehenden Begnadigung.

Ensaf Haidar, die Ehefrau des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi hat überall in der Welt, hier in Wien, um seine Freilassung gekämpft. Jetzt könnte sie bevorstehen.
Ensaf Haidar, die Ehefrau des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi hat überall in der Welt, hier in Wien, um seine Freilassung...Foto: Georg Hochmuth/dpa

Nach internationalem Druck prüft Saudi-Arabien laut Angaben des Schweizer Außen-Staatssekretärs Yves Rossier die Begnadigung des Bloggers Raif Badawi. Die Strafe von 1000 Peitschenhieben soll ausgesetzt worden sein. „Mir ist gesagt worden, seine Strafe sei aufgehoben“, sagte Rossier der in Fribourg erscheinenden Tageszeitung „La Liberté“. Er habe den Fall während eines Besuchs in Riad angesprochen und ihm sei mitgeteilt worden, ein königlicher Gnadenerlass durch den Staatschef König Salman bin Abdulaziz al Saud sei „in Arbeit“.

Badawi soll am 16. Dezember den Sacharow-Preis der Europäischen Union verliehen bekommen.

Der inzwischen 31-jährige Blogger war im Juni 2012 verhaftet worden, weil er saudische Kleriker beleidigt haben soll. Er war zu zehn Jahren Haft, einer Geldstrafe und zu 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. In seinem Blog hatte er wiederholt die harte Überwachung und Durchsetzung der besonders strengen islamischen Regeln in Saudi-Arabien thematisiert und kritisiert.

Zeigt die internationale Aufmerksamkeit für den Blogger jetzt Wirkung?

Sein Schicksal beschäftigt die Öffentlichkeit seit vielen Monaten. Seine Ehefrau war mehrfach auch in Berlin zu Gast, um auf sein Schicksal aufmerksam zu machen. Weil 1.000 Peitschenhiebe auf einmal höchstwahrscheinlich tödlich enden würden, hatte ein saudisches Gericht festgelegt, die Strafe auf 20 Wochen zu je 50 Peitschenhieben zu verteilen. Im Januar 2015 wurde Badawi erstmals ausgepeitscht. Weitere Auspeitschungen wurden seither – vermutlich auch aufgrund des weltweiten Protests – immer wieder verschoben. (Tsp)

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