Schauplätze des Dschihads : Wo militante Islamisten auf dem Vormarsch sind

Sie töten in Allahs Namen und kennen keine Gnade. Dschihadisten kämpfen an vielen Fronten – nicht nur im Irak. Ihr erklärtes Ziel: ein Gottesstaat. Ein Überblick über die Schauplätze des „heiligen Krieges“.

von , , , , und Daniel Kerstenholz
Bereit zum Sterben. Ein islamischer Terrorist.
Bereit zum Sterben. Ein islamischer Terrorist.Foto: AFP

Es ist ein strahlender Spätsommermorgen, als der radikale Islamismus erstmals die ganze Welt das Fürchten lehrt. Terroristen kapern am 11. September 2001 mehrere Flugzeuge und greifen mit ihnen das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington an. Als die Zwillingstürme einstürzen und dabei fast 3000 Menschen ums Leben kommen, ist das für Al-Qaida-Chef Osama bin Laden und seine Gesinnungsgenossen ein Triumph: Sie hatten es geschafft, dem „großen Satan“ Amerika und dem Westen insgesamt die eigene Verletzlichkeit vor Augen zu führen. Dieser 11. September veränderte vieles, wenn nicht alles. Seitdem weiß die freiheitsschätzende Staatengemeinschaft, dass sie von militanten Fanatikern bedroht wird, die mit einem „heiligen Krieg“ ein Kalifat errichten wollen.

In vielen Regionen auf dem Vormarsch

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es scheint sogar, als seien Dschihadisten gerade in Afrika, Nahost und Asien auf dem Vormarsch. Die Extremisten-Gruppe Boko Haram terrorisiert Nigeria und schreckt sogar vor der Entführung von Schülerinnen nicht zurück. In Mali kontrollierten Islamisten zeitweise fast den gesamten Norden des Landes. Die Regierung war hilflos, bis französische Soldaten intervenierten. Syrien ist zu einem Aufmarschgebiet für Dschihadisten geworden, die Angst und Schrecken verbreiten. Der Irak droht in die Hände sunnitischer Terroristen zu fallen. Bis zu 10 000 Kämpfer zeigen dem ohnehin fragilen Staat mit ihrem brutalen Vorgehen seine Grenzen auf. Ähnliches gilt für die Taliban. Sowohl in Afghanistan als auch in Pakistan sind sie eine ständige Bedrohung.

Expansion ohne Masterplan

Überall Islamisten – das wirkt wie eine konzertierte Aktion, als gebe es einen Masterplan, dem alle Dschihadisten gemeinsam folgen. Doch der Eindruck trügt. Die Gruppen werden nicht von einer zentralen Stelle aus koordiniert. Al Qaida mag zwar als propagandistischer Bezugspunkt eine Rolle spielen und als Label für das jeweilige „Franchiseunternehmen“ dienen. Doch viele Islamisten fühlen sich keineswegs weisungsgebunden, verfolgen längst eigene Interessen, die sich oft von Land zu Land unterscheiden. Diese nationalen Gegebenheiten versuchen die Terroristen in ihrem Sinne zu verändern, sprich: die Macht an sich zu reißen und einen Scharia-Staat zu errichten. Dennoch verbindet die „Gotteskrieger“ auch einiges. Zum Beispiel der Hass auf den Westen und sein auf Toleranz basierendes liberales Gesellschaftsmodell. Für die Fundamentalisten zählt allein die Herrschaft des Korans, der nach ihrem Gutdünken ausgelegt wird. Ein weiterer Grundpfeiler des Dschihadismus ist der Antisemitismus. Die Judenfeindschaft und der Kampf gegen Israel gehören zum ideologischen Rüstzeug der Fanatiker.

Muss es Europa kümmern, was in Afrika oder Nahost passiert? Die Antwort hat gerade ein Syrien-Rückkehrer gegeben: Der Franzose tötete mutmaßlich in Brüssel vier Menschen. Dem Bekennervideo zufolge führte er den Anschlag im Namen der Miliz „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ aus. Dschihadisten in Europa – ein Albtraum nicht nur für Sicherheitsbehörden.

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