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Scheidende Geschäftsführerin : Piratin Weisband: Kein Rückzug wegen Hassmails

Marina Weisband tritt dem Eindruck entgegen, sie ziehe sich wegen antisemitischer Mails in ihrem Postfach aus der Parteispitze zurück. Ihre wahren Beweggründe habe sie bereits erläutert.

Braucht eine Pause: Marina Weisband, Noch-Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei.
Braucht eine Pause: Marina Weisband, Noch-Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei.Foto: dpa

"Zeitungen sind stille Post", schreibt Marina Weisband am Sonntag auf ihrer Facebookseite. In einem Gespräch mit der "Bild am Sonntag" (BamS) hatte die scheidende Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei angegeben, "ein paar antisemitische Mails" bekommen zu haben. Nun sieht sie sich mit einer Berichterstattung konfrontiert, wonach sie "tausende Hassmails" in ihrem Postfach zum Rückzug aus der Parteispitze gedrängt hätten. Wörtlich sagte Weisband zur BamS: „Ich habe Hassmails bekommen, auf rechtsextremistischen Webseiten wurde mein Foto veröffentlicht. Daneben standen Texte darüber, wie die Juden jetzt die deutsche Parteienlandschaft erobern würden.“

Weisband, die auf dem kommenden Bundesparteitag nicht mehr für den Vorstand kandidieren wird, schließt eine Rückkehr in die Parteiführung noch vor der Bundestagswahl 2013 nicht aus: „Ich bin weiter in der Partei aktiv. Und ich kann mir auch vorstellen, 2013 wieder für ein Spitzenamt zu kandidieren.“

Der angekündigte Rückzug Marina Weisbands hatte im Internet ein großes Echo ausgelöst. In Kommentaren im Kurznachrichtendienst Twitter sowie auf Weisbands persönlicher Website überwogen Verständnis und Respekt für die Entscheidung der 24-Jährigen, die den Verzicht auf ihre erneute Kandidatur als Politische Geschäftsführerin zunächst mit gesundheitlichen Beschwerden und dem geplanten Abschluss ihres Psychologiestudiums begründet hatte.

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Die Entscheidung „verdient großen Respekt! Weil sie klug und ehrlich begründet ist, wird sie die Piratenpartei nicht schwächen“, twitterte Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU). Auch der Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz zollte Weisband „Respekt“ für die Entscheidung.

Der Vorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, bedauerte den vorläufigen Rückzug der 24-Jährigen aus Münster. Sie sei eine sehr fähige Politikerin, die die Außenwirkung der Piratenpartei geprägt habe, sagte Nerz im ZDF. Es werde schwierig, die Lücke zu schließen, die Weisband hinterlasse. Nerz äußerte die Hoffnung, dass sich Weisband ihre Entscheidung noch einmal überlege, im April nicht mehr für den Bundesvorstand zu kandidieren.

Weisband selbst reagierte zunächst genervt auf das Medienecho, das ihre Entscheidung ausgelöst hat. So wies sie Einschätzungen zurück, dass die Partei nun ihr „charismatisches Aushängeschild“ verliere. „Das ist Quatsch. Die Piraten verlieren gar nichts!“, schrieb sie in einem Beitrag. Sie werde weiter aktiv mitarbeiten. Es sei jedoch „Ziel der Sache, dass ich weniger Medienauftritte und dadurch mehr Zeit habe“. Dennoch verbat sie sich „Abgesänge auf mich“.

Die Nutzerkommentare auf ihrer Internetseite machten deutlich, dass Weisband innerhalb der Piraten eine wichtige Rolle als „Gesicht der Partei“ und Integrationsfigur spielt. „Auch wenn Du vor wenigen Wochen der Grund für mich warst, noch im hohen Alter in die Piratenpartei einzutreten - auszutreten wegen Dir kann ich mir jetzt gar nicht mehr vorstellen“, schrieb ein Pirat. Auch ein anderer Nutzer bedauerte den Rückzug: „Auf jeden Fall wirst du für die Zeit, in der du nicht mehr an vorderster Front aktiv sein wirst, eine große Lücke hinterlassen, die erst mal einer von uns ausfüllen soll.“ Das Medieninteresse an der Studentin lag auch darin begründet, dass sie eine der wenigen Frauen in der Piratenpartei ist. Auf dem jüngsten Bundesparteitag in Offenbach lag deren Anteil unter den 1.300 anweisenden Piraten bei rund fünf bis zehn Prozent. Dabei wurde häufig übersehen, dass mit Gefion Thürmer eine weitere Frau dem Piratenvorstand angehört. Thürmer wehrte sich am Donnerstag schon dagegen, eine „zweite Weisband“ zu werden.

Die Piraten wählen ihren neuen Vorstand am 28. und 29. April auf einem Bundesparteitag im schleswig-holsteinischen Neumünster, eine Woche vor der Landtagswahl im nördlichsten Bundesland. In der Partei sind alle Mitglieder berechtigt, an den Bundesparteitagen teilzunehmen. Bislang gibt es drei Piraten, die für Weisbands Posten kandidieren. (dapd)

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