Schlacht um Mossul : IS ermordet offenbar hunderte irakische Zivilisten

Die Terrormiliz missbraucht Menschen in Mossul als Schutzschilde. Nun wächst die Furcht, dass die Dschihadisten zur Verteidigung ihrer Bastion sogar Giftgas einsetzen könnten. Und in Aleppo ist die Waffenruhe beendet.

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Auf dem Vormarsch. Einheiten der irakischen Armee und Verbündete Milizen sind nur noch 20 Kilometer von Mossul entfernt.
Auf dem Vormarsch. Einheiten der irakischen Armee und Verbündete Milizen sind nur noch 20 Kilometer von Mossul entfernt.Foto: Alaa al Marjani/Reuters

Die irakische Armee und verbündete Truppen rücken immer weiter auf die IS-Hochburg Mossul vor. Die Extremisten konnten aus mehreren Orten vertrieben werden. Die Regierungseinheiten sind damit nach eigenen Angaben im Südosten auf etwa 20 Kilometer an die Millionenstadt herangerückt. Allerdings reagieren die Dschihadisten auf diese Erfolge offenbar mit mörderischer Gewalt gegen Zivilisten. So soll die Terrormiliz im Zuge der Großoffensive zur Befreiung Mossuls mehr als 280 Männer und Jugendliche hingerichtet haben.

Laut dem US-Nachrichtensender CNN, der sich auf den irakischen Geheimdienst beruft, sind die Menschen zunächst als Schutzschilde gegen die Angriffe der Anti-IS-Allianz missbraucht worden. Danach seien die Opfer, dem Bericht zufolge auch Kinder, erschossen und die Leichen mit einem Bulldozer in ein Massengrab geschoben worden. Der „Islamische Staat“ hat sich mit seinen schätzungsweise 4000 bis 5000 Kämpfern wochenlang auf die Großoffensive gegen ihre letzte Bastion im Irak vorbereitet. So sollen die Straßen und Häuser mit Minen und anderen Sprengfallen präpariert worden sein. Außerdem versuchen Selbstmordattentäter immer wieder, zum Beispiel mit Autobomben in gegnerische Stellungen zu fahren, um möglichst viele Angreifer zu töten.

Hilfsorganisationen verteilen Schutzmasken

Es gibt darüber hinaus Befürchtungen, dass die Fanatiker Chemiewaffen einsetzen könnten. Krankenstationen rund um Mossul würden für die Behandlung von Opfern derartiger Attacken vorbereitet, teilte vor Kurzem das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mit. Dazu gehöre auch die Verteilung von Schutzmasken. Der IS hat in der Vergangenheit schon mehrfach Chlor- und Senfgas bei Angriffen genutzt – sowohl im Irak als auch in Syrien.

Die Kampfstoffe stammen Experten zufolge zum einen aus eroberten Lagern des syrischen Machthabers Baschar al Assad, zum anderen aus Beständen des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein. Es wird aber vermutet, dass die Islamisten Chemiewaffen selbst herstellen. Als mögliches Zentrum der Produktion gilt die Universität in Mossul. Als die Extremisten Mitte 2014 die Stadt eroberten, kontrollierten sie damit auch die Hochschule mit ihren Laboren und Forschern. Beweise dafür, dass dort Giftgas fabriziert wird, gibt es jedoch nicht.

Das sieht bei Assad anders aus. Schon mehrfach hat dessen Armee Chemiewaffen gegen das eigene Volk eingesetzt. Die UN werfen den Regierenden nun einen weiteren Angriff vor. Es gebe „genügend Beweise“ dafür, dass syrische Truppen am 16. März 2015 eine „giftige Substanz“ – vermutlich Chlor – auf den Ort Kmenas abgeworfen hätten, heißt es in einem Bericht der Ermittler. Auch in der umkämpften syrischen Metropole Aleppo soll es laut Ärzten und Rettungshelfern jüngst einen Luftangriff mit Chlorgas gegeben haben.

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Irakische Armee rückt schneller auf Mossul vor als erwartet
Irakische Armee rückt schneller auf Mossul vor als erwartet

Dort endete am Samstagabend die von Russland einseitig ausgerufene Waffenruhe, ohne dass die UN Verletzte und Kranke aus den Rebellenvierteln in Sicherheit bringen konnten. Offenbar verließ auch nur eine Handvoll von Zivilisten und Aufständischen den belagerten Ostteil der Stadt. Laut Aktivisten gab es nach Ablauf der Feuerpause sofort wieder heftige Gefechte. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Artilleriebeschuss sowie Luftschlägen durch syrische und russische Kampfjets.

SPD-Politiker Oppermann: Putin betreibt rücksichtslose Machtpolitik

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann verurteilt das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Syrienkrieg scharf. „Putin betreibt eine rücksichtslose Machtpolitik“, sagte Oppermann im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Es sei „erbärmlich“, dass der Westen gewaltige diplomatische Anstrengungen unternehmen müsse, damit Russland die Feuerpause in Aleppo um einige Stunden verlängere. Putin müsse wissen, dass er Russlands Stellung in der Staatengemeinschaft mit dem rücksichtslosen Bombardement der syrischen Zivilbevölkerung schweren Schaden zufüge.

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