Politik : Schwangerenberatung: Papst weist Bischof Kamphaus in die Schranken

Martin Gehlen

Papst Johannes Paul II. hat mit einem Machtwort den Ausnahmeweg des Bistums Limburg in der Schwangeren-Konfliktberatung beendet. Als letzte Diözese in Deutschland muss nun auch Limburg aus dem staatlichen System aussteigen. In den zwölf Beratungsstellen des Bistums dürfen damit keine Scheine mehr ausgestellt werden, die eine straffreie Abtreibung ermöglichen. Den Ausstieg soll auf Weisung des Papstes der Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl - mit einer Sondervollmacht ausgestattet - "so zügig wie möglich" organisieren. Pieschl ist seit langem erklärter Gegner einer katholischen Beteiligung an der staatlichen Konfliktberatung. Trotz dieser Entmachtung bleibt Bischof Franz Kamphaus im Amt, obwohl er nach eigenen Angaben lange über einen Rücktritt nachgedacht hat.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, begrüßte die für das Bistum Limburg gefundene Lösung. Dadurch komme "ein langer und schwieriger Prozess zu einem Abschluss". Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) äußerte sich dagegen "tief verletzt" über das Votum aus Rom. Der katholische Verein "Donum Vitae" will nun auch im Bistum Limburg Schwangerenberatung anbieten.

Bischof Kamphaus sprach von einer "tiefen Wunde". Die Entscheidung des Papstes treffe ihn sehr und mache ihn traurig, sagte der 70-Jährige. Er respektiere den Willen des Papstes, könne aber persönlich die Entscheidung nicht nachvollziehen: "Nach meinen Erfahrungen werden jetzt Lebenschancen für Kinder vergeben."

Die Bundesregierung sowie Politiker von CDU/CSU, Grünen und FDP reagierten mit Bedauern. Der Kirchenbeauftragte der Unionsfraktion, Hermann Kues, wertete die römische Entscheidung als Belastung für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche. Seit dem Ausstieg der Bistümer aus dem gesetzlichen System erreichten die katholischen Beratungsstellen keine Frauen mehr, die einen Schwangerschaftsabbruch erwägen, sagte er.

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