Sechstagekrieg vor 50 Jahren : Israelis und Palästinenser müssen allein Frieden schaffen

Vor 50 Jahren wurde Israel zu einer Großmacht - und zum Besatzer. Seitdem gibt es keinen Frieden mehr. Das liegt auch an den Palästinensern. Dabei ist klar: Beide Seiten müssen den Nahostkonflikt lösen. Ein Kommentar.

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Umstrittener Ort: Die Klagemauer und der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem.
Umstrittener Ort: Die Klagemauer und der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem.Foto: picture alliance /dpa/Roland Holschneider

Das wäre ein Geschenk nach Benjamin Netanjahus Geschmack gewesen. Während Israel ausgiebig den Jerusalemtag feiert, verkünden die USA, dass ihre diplomatische Vertretung von Tel Aviv in die heilige Stadt verlegt wird. Welch eine Botschaft, welch ein Triumph für Israels nationalreligiöse Kräfte: Die Weltmacht Amerika erkennt Jerusalem als „ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes“ an. Und das genau 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg, durch den Israel zu einer Großmacht in der Region wurde.

Gerührt. Israelische Soldaten vor der Klagemauer in Jerusalem, vor 50 Jahren und heute.
Gerührt. Israelische Soldaten vor der Klagemauer in Jerusalem, vor 50 Jahren und heute.Foto: David Rubinger, Menahem Kahana/AFP

Hätte Donald Trump sein Wahlkampfversprechen wahrgemacht und so die muslimisch-arabische Welt erzürnt, der Nahe Osten wäre womöglich explodiert. So weit hat er es dann doch nicht kommen lassen. Weil es auch Jahrzehnte der unterschiedlichsten Versuche der Einflussnahme – mit Schmeicheleien, Drohungen und finanziellen Lockungen – ad absurdum geführt hätte.

Trotzdem ist Israel jetzt gezwungen, den Status quo grundsätzlich zu überdenken. Und zwar gerade am 50. Jahrestag des aus Jerusalemer Sicht so erfolgreichen Sechstagekriegs. Denn Israel wurde eine Besatzungsmacht. Seitdem herrschen Juden über ein anderes Volk, die Palästinenser. Das hinterlässt Spuren, international wie national. Nur eine Minderheit der israelischen Gesellschaft glaubt noch an Frieden und ist bereit, sich zu engagieren. Die Mehrheit hat eine Aussöhnung mit den Palästinensern längst abgehakt.

Wer wollte es den Menschen auch verdenken, die seit Jahrzehnten mit Attentaten und Raketen leben müssen. Doch die Besatzung ist eine politische, wirtschaftliche und moralische Last und eine weltpolitische Provokation. Sie hat vor allem die militanten jüdischen Siedler stark gemacht, die mit ihrer Sehnsucht nach einem „Groß-Israel“ die Regierenden und den Staat vor sich hertreiben und in den UN Mal um Mal Widerspruch hervorrufen, auch den Ruf nach Sanktionen.

Wut, Frust und Gewalt im besetzen Westjordanland.
Wut, Frust und Gewalt im besetzen Westjordanland.Foto: Ibraheem Abu Mustafa/Reuters

Land für Frieden? Das ist mit den Radikalen im Land nicht zu machen. Auch das sonstige politische Personal in Israel macht nicht den Eindruck, zu echten Kompromissen bereit zu sein. Nur ist die palästinensische Führung da keinen Deut besser aufgestellt. Präsident Mahmud Abbas sieht sich mit der unbequemen Wahrheit konfrontiert, dass er nichts erreicht hat. Zumal er sich immer wieder mit der Hamas herumschlagen muss. Ein eigener, souveräner Staat Palästina wirkt weiter entfernt denn je. Und das Volk leidet.

Die Autonomiebehörde trägt einen guten Teil der Schuld daran. Wo sind die Abermillionen Euro geblieben, die die internationale Gemeinschaft investiert hat, um die Palästinenser zu unterstützen? Beim Volk sind sie jedenfalls nicht angekommen, obwohl jeder sehen kann, wie nötig Hilfe ist. Warum wird in Schulbüchern Hass auf Juden und Israel gepredigt? Wie kann es sein, dass Terroristen als Märtyrer verehrt werden?

Zu den bitteren Wahrheiten des Nahostkonflikts gehört auch, dass alle bisherigen Vermittlungsbemühungen gescheitert sind. Von außen kommend wird es nicht gelingen, Israelis und Palästinensern Frieden zu bringen. Der Versuch, ihnen Geschichte vorzuschreiben, kann nicht gelingen. Beide Seiten müssen es schaffen, sich selbst zusammenraufen, fernab aller Ratschläge der Weltgemeinschaft. Vielleicht gelingt dann endlich das, was heute, 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg, unmöglich zu sein scheint. Es wäre ein Geschenk für alle.

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