Sklaverei im 21. Jahrhundert : Wo es bis heute Sklaverei gibt

Die Sklaverei ist abgeschafft - aber nicht überall auf der Welt auch überwunden. Ein unvollständiger Überblick.

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Sexdienste in Deutschland. Sie werden nicht immer freiwillig erbracht.
Sexdienste in Deutschland. Sie werden nicht immer freiwillig erbracht.Foto: picture alliance / dpa

Zwölf Millionen Menschen, schätzen die Vereinten Nationen, leben heute in einer modernen Form der Sklaverei. Jeder Zweite davon sei ein Kind. Sie sind Opfer von Zwangsarbeit, Menschenhandel und Prostitution – und nicht nur in den Golfstaaten zu finden.

In Brasilien werden regelmäßig Großunternehmer angeprangert, die Sklaven auf ihren Plantagen arbeiten lassen. Viele der versklavten Angestellten sind Nachfahren früherer Sklavengenerationen, die aus Afrika verschleppt worden waren. Vor allem in Teilen Westafrikas bestünde die Sklaventradition fort, kritisiert die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Knapp 300 000 Kinder würden allein auf Kakaofarmen der Elfenbeinküste arbeiten. In Zentralasien werden Kinder zur Baumwollernte gezwungen, und syrische Flüchtlingskinder erarbeiten sich auf Farmen im Libanon ein Auskommen für ihre vor dem Bürgerkrieg geflohenen Familien.

In Mauretanien wurde die Sklaverei erst vor wenigen Jahren verboten, besteht aber weiter fort. Mauretanien war einer der letzten Staaten, der die Leibeigenschaft geächtet hat. Doch bis das Gesetz auch eingehalten wird, dürften noch weitere Jahre vergehen. Im Konflikt zwischen dem Sudan und dem inzwischen unabhängigen Südsudan sind zehntausende Südsudanesen versklavt worden.

Bauarbeiter in Sotschi. Auch hier arbeiten Einwanderer für Hungerlöhne unter miesen Bedingungen.
Bauarbeiter in Sotschi. Auch hier arbeiten Einwanderer für Hungerlöhne unter miesen Bedingungen.Foto: picture alliance / dpa

Auch in vielen Karibikstaaten werden Kinder zur Zwangsarbeit genötigt. So ist in Haiti und der Dominikanischen Republik der Brauch der „Restavecs“ weit verbreitet: Ärmere Familien verkaufen ihre Kinder an reiche Haushalte, damit diese dort als Hilfskraft verbleiben („rester avec“). Und in Afghanistan ist die Tradition lebendig, Jungs in Mädchenkleider zu stecken. Als „Battscha Bazi“ sollen die Kinder Männer mit Tänzen erfreuen – und oft darüber hinaus für sexuelle Dienste zur Verfügung stehen.

Sexdienste sind vor allem in Europa der größte Zweig von Sklaverei. Mehr als 100 000 Frauen werden vor allem aus Rumänien und Bulgarien jährlich nach Westeuropa geschleust, schätzt die Europäische Union. In Deutschland geht das Bundeskriminalamt von einigen 10 000 Frauen aus. Tatsächlich erfasst werden jährlich aber nur 600 bis 800 – ein Großteil der Prostitution bleibt im Dunkeln. Die meisten Frauen sind jünger als 20 Jahre.

Auch die Ausbeutung von Arbeitern ist keine Spezialität des Golfes: Die Wettkampfstätten und Infrastruktur der Winterspiele in Sotschi würden auf den Knochen von miserabel entlohnten Gastarbeitern errichtet, warnt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Demzufolge schuften mehr als 16 000 Ausländer – vor allem Ukrainer, Serben, Armenier, Usbeken, Kirgisen und Tadschiken – seit 2009 für Hungerlöhne zwölf Stunden täglich auf den rund 800 Olympia-Baustellen. Oft sieben Tage die Woche und ohne Urlaub. Untergebracht sind sie in miserablen Baracken. Vielen wurde der Reisepass abgenommen, um zu verhindern, dass sie das Elend durch Flucht beenden, heißt es in einem 67 Seiten starken Papier, das HRW dem Internationalen Olympischen Komitee schon im Februar übergab. HRW hatte dazu 66 Arbeiter interviewt. Vizepremier Dmitri Kosak,

der die Vorbereitung der Spiele koordiniert, wies im Juli alle Vorwürfe zu Menschenrechtsverletzungen bei den olympischen Bauten zurück. Missbrauch gebe es nur in Einzelfällen, wäre dies die Regel, „würde ich davon wissen“.

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