Spanien : Abhöraffäre erschüttert Regierung

Kurz vor der Parlamentswahl werden Gesprächsmitschnitte publik, demnach Innenminister Fernández Díaz gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung intrigiert haben soll.

Innenminister Jorge Fernández Díaz leugnet die Gespräche nicht, die Bänder seien aber manipuliert.
Innenminister Jorge Fernández Díaz leugnet die Gespräche nicht, die Bänder seien aber manipuliert.Foto: JAVIER SORIANO/AFP

Vier Tage vor der Parlamentswahl in Spanien ist die konservative Regierung wegen einer Abhöraffäre unter Druck geraten: Die Opposition forderte am Mittwoch den Rücktritt von Innenminister Jorge Fernández Díaz, der laut am Dienstagabend veröffentlichten Gesprächsmitschnitten nach Wegen gesucht hatte, mit Hilfe des Staatsapparates Anführer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung zu diskreditieren.

Laut dem Bericht der linksgerichteten katalanischen Online-Zeitung "Publico" geht es um Gespräche des Ministers mit dem Anti-Korruptionsbeauftragten von Katalonien, Daniel de Alfonso, vom Oktober 2014. Wenige Wochen vor einem symbolischen Referendum über eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien erörterte Fernández Díaz demnach Hinweise auf mögliche Vergehen von Vertretern der Unabhängkeitsbewegung.

De Alfonso sagte den Tonaufnahmen zufolge, die Indizien seien "schwach". Der Innenminister hob hingegen hervor, sie könnten in politischer Hinsicht "viel Schaden" anrichten.

Regierungschef Rajoy soll informiert gewesen sein

Besonders brisant werden die Abhörbänder dadurch, dass Fernández Diáz darin dem Bericht zufolge mit Blick auf seine Pläne zur Diskreditierung der Unabhängigkeitsvorkämpfer versichert, dass der spanische Regierungschef Mariano Rajoy "es weiß". Am Dienstag beteuerten Fernández Díaz und De Alfonso allerdings, der Ministerpräsident habe erst in dieser Woche von dem Vorgang erfahren.

Der Chef der spanischen Sozialisten, Pedro Sánchez, warf Fernández Díaz am Mittwoch vor, er habe "den Staatsapparat nutzen" wollen, um "gegen seine politischen Gegner und nicht gegen die Korruption seiner eigenen Partei zu kämpfen". Daher müsse der Innenminister zurücktreten.

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Neuwahl in Spanien am 26. Juni
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Der Chef der linksgerichteten Podemos-Partei, Pablo Iglesias, sagte dem Fernsehsender TVE: "Unser Innenminister, der uns alle schützen sollte, hat offenbar seinen Posten missbraucht, um politische Rivalen auszukundschaften." Dies müsse seinen "sofortigen Rücktritt" zur Folge haben.

Fernández Díaz: Abhörbänder sind manipuliert

Fernández Díaz leugnete nicht, dass die Gespräche mit De Alfonso stattgefunden haben. Die Abhörbänder seien aber manipuliert worden. Dies sei Teil einer "Verschwörung", die ihn "zerstören" solle. Eine polizeiliche Untersuchung solle nun klären, wie die Mitschnitte entstanden und wie sie an die Öffentlichkeit gerieten.

Am Sonntag wird in Spanien ein neues Parlament gewählt. Rajoys Volkspartei (PP) liegt in den Umfragen vorn, dürfte aber erneut eine absolute Mehrheit verfehlen. Bereits aus der vorherigen Parlamentswahl im Dezember war die PP als stärkste Kraft hervorgegangen, sie fand aber keine Partner zur Bildung einer tragfähigen Koalition. Auch die Bildung eines Linksbündnisses gelang nicht, so dass Spaniens Bürger eine monatelange Hängepartie erlebten. (AFP)

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