Spanien : Papst spricht 498 Opfer linker Milizen selig

Im spanischen Bürgerkrieg stand die Kirche auf der Seite des Diktators Franco, daraufhin wurden tausende Geistliche ermordet. 498 von ihnen werden am Sonntag von Papst Benedikt XVI. in Rom seliggesprochen.

Ralph Schulze[Madrid]

„6832 Geistliche wurden ermordet“, berichtet der spanische Geschichtsprofessor Julian Casanova. „Ein beträchtlicher Teil der Kirchen und Kapellen wurde angezündet oder geplündert.“ Das ist die Bilanz einer Gewaltexplosion linker Milizen gegen die katholische Kirche während des spanischen Bürgerkrieges von 1936 bis 1939. Der tödliche Hass entlud sich gegen Priester, Nonnen, Mönche und Theologiestudenten, weil die katholische Kirche den Putsch von General Franco gegen die demokratisch gewählte Republik unterstützte und den von Franco entfesselten Krieg als „Kreuzzug“ verteidigte.

Eines dieser Opfer linksradikaler Gewalt war der 24-jährige Priesterschüler Juan Duarte. „Sie schnitten ihm den Bauch auf wie einem Schlachtschwein“, erinnert sich seine Schwester, die Nonne Carmen Duarte. Juan sei damals, im Sommer 1936, in Malaga bei seiner Familie zu Besuch gewesen, als republikanische Milizen die Tür eintraten.

Insgesamt 498 dieser Geistlichen werden am Sonntag von Papst Benedikt XVI. in Rom seliggesprochen. Die größte Massenseligsprechung der Geschichte zu der zehntausende Gläubige und 71 Bischöfe aus Spanien anreisen, eine Erinnerung an eine der „größten religiösen Verfolgungen“ im vergangenen Jahrhundert.

Die päpstliche Seligsprechung hat nur einen Schönheitsfehler: Lediglich Religiöse, die von den Republikanern hingemeuchelt wurden, werden geehrt. Dabei haben auch Francos Todeskommandos Jagd auf oppositionelle Priester gemacht, die im Baskenland auf der Seite der Linken standen. Ganz zu schweigen von mehr als 100 000 Franco-Gegnern, die während und kurz nach dem Bürgerkrieg ermordet wurden. Rund 30 000 Franco-Opfer gelten als verschwunden. Darüber verliert Spaniens Kirche bis heute kein Wort. Dafür beeilten sich die Bischöfe gleich nach Ende des Krieges im Jahr 1939 all jene, die aufseiten Francos im Krieg verfolgt wurden oder fielen, als Helden zu ehren.

Diesem kollektiven Vergessen soll nun ein Geschichtsgesetz abhelfen, das der sozialdemokratische Regierungschef Jose Luis Zapatero auf den Weg brachte. Damit soll die Geschichte aufgearbeitet, die Ehre der Franco-Opfer wiederhergestellt und Diktatursymbole, wie sie nicht nur die Kirchen im Land noch schmücken, verboten werden.

Im spanischen Bürgerkrieg sollen bis zu 500 000 Menschen gefallen sein. Hinzu kommen 150 000 Republikaner, die der politischen Verfolgung während und nach dem Bürgerkrieg zum Opfer fielen. Dazu kommen 60 000 Franco-Anhänger, darunter tausende Geistliche, die von linken Milizen getötet wurden.

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