Streik der GDL : Claus Weselsky: Böse! Böse! Böse!

Claus Weselsky ist der Buhmann der Nation. Jeder meint, er dürfe auf Deutschlands obersten Lokführer schimpfen. Es wird jetzt endlich einmal Zeit, die Dinge etwas gerade zu rücken. Ein Kommentar.

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Buhmann der Nation. Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft GdL.
Buhmann der Nation. Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft GdL.Foto: dpa

Böse! Böse! Böse! Jetzt wird er niedergemacht, der oberste Lokführer der Nation. Claus Weselsky hat jetzt gegen sich, was und wen man nur gegen sich haben kann, angefangen mit den Berliner Tourismusmanagern, die wegen des Eisenbahnerstreiks um die schon eingeplanten neue Übernachtungszahlenrekorde fürchten, über die einschlägigen Medien, die für Gewerkschafter wenig und für die angeblichen Gefühle angeblicher kleiner Leute viel übrig haben, bis hin zu ganz wichtigen Leuten in der angeblich gewerkschaftsnahen SPD. Die nehmen, etwa in Gestalt der aus einer großen Gewerkschaft kommenden Generalsekretärin Yasmin Fahimi dem Mann aus der Einzelgewerkschaft übel, dass er mit dem Streik Gewerkschaftspolitik macht, wie sie der SPD nicht passt.

Weselsky will, auch dazu dient ihm dieser Streik, seine Auffassung durchsetzen: dass die GdL die Interessen aller ihrer Mitglieder vertreten darf, nicht allein die Interessen der Lokführer, sondern auch der Zugbegleiter und wer sonst noch in der Lokführergewerkschaft organisiert ist.

Humor ist, wenn man trotzdem fährt
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1 von 29Karikatur: Klaus Stuttmann
07.11.2014 12:50Sie sehen: Nach dem Streik ist vor dem Streik.

Manchmal ist es wichtig, stur zu sein

Das ist, wenn man so will, Gewerkschaftspolitik alter Schule, nach dem Prinzip „Wollen wir doch mal sehen“. Stur muss man sein, manchmal ist das wichtig: So hat vor vielen vielen Jahren ein Mann namens Heinz Kluncker die Interessen des Öffentlichen Dienstes gleich zweistellig vertreten (elf Prozent mehr Lohn). So hat vor etwa ebenso vielen Jahren ein Mann namens Arthur Scargill versucht, die Interessen der Kohlearbeiter Englands gegen die Hardcore-Modernisiererin Maggie Thatcher zu vertreten.

Sturheit, wie die Weselsky ganz sicher eigen ist, kann siegen, und sie kann scheitern. Heinz Kluncker hatte Erfolgt, Arthur Scargill ist grauenhaft gescheitert. Weselskys Weg führt heute, an diesem Donnerstag, dorthin, wo man immer landet, wenn zwei sich streiten und keiner nachgeben will: vor Gericht. Da sieht man weiter.

 

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