Gewerkschaften beklagen die "Entgrenzung der Arbeit"

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Stress am Arbeitsplatz : Die schleichende Überforderung

Für die Gewerkschaften liegt daher auf der Hand, woher die Zunahme der psychischen Erkrankungen kommt: Sie machen die „Entgrenzung der Arbeit“ verantwortlich, also etwa die Flexibilisierung der Arbeitszeiten, die gesteigerten Anforderungen im Job und die Ausweitung des Niedriglohnsektors. „Psychische und arbeitsbedingte Erkrankungen haben ein unerträgliches Ausmaß erreicht“, kritisierte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Körperliche Erkrankungen, die auf Stress zurückzuführen sind – wie Herzinfarkte –, gingen dabei noch nicht einmal in die Statistik ein. „Wir brauchen eine Renaissance der Humanisierung der Arbeit“, sagte Buntenbach. Die Gewerkschafterin appellierte daher an die Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Dazu gehöre ein gesetzlicher Mindestlohn, eine Gleichbehandlung von Leiharbeitern und Stammbelegschaften, eine Begrenzung der Befristung von Verträgen und eine Reform der Minijobs.

Beschäftigte klagen über immer mehr Stress im Job

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Nehmen psychische Erkrankungen zu?

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Die Arbeitgeber halten dagegen. Der Grund für den Anstieg festgestellter psychischer Erkrankungen liege vor allem in geänderten Diagnosen, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Es schade der Sache, wenn die Debatte über psychische Gesundheit mit falschen Zahlen, verzerrenden Darstellungen und unberechtigten Vorwürfen geführt werde. Das Thema der psychischen Erkrankungen müsse „endgültig aus der Tabu-Ecke herauskommen“, sagte Hundt. Die Betriebe seien an der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeiter interessiert. Es offenbarten sich aber nur 16 Prozent derer, die Hilfe benötigen, ihren Vorgesetzten. Auch Leyen forderte einen offeneren Umgang mit psychischen Krankheiten. Noch immer sei es leichter, über den hohen Blutdruck als über Angstzustände zu reden, sagte die Ministerin. „Schlaflose Nächte oder der Knoten im Magen sollten aber genauso ernst genommen werden wie ein Klingeln im Ohr oder ein taubes Handgelenk.“

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Experten sehen aber bereits eine große Veränderung. „Es kommen mehr Patienten in Behandlung“, sagt Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Aachen. Die Stigmatisierung habe abgenommen, auch durch die öffentliche Debatte, die etwa der Selbstmord des Bundesliga-Torwartes Robert Enke ausgelöst habe. Generell gebe es viele Ursachen für psychische Erkrankungen. „Die Veränderung der Arbeitswelt hat aber durchaus einen Einfluss“, sagt Schneider. So nehme zum Beispiel die Unsicherheit zu. „Viele Studien zeigen, dass die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes direkt hinter der Angst vor dem Verlust des Partners steht.“ Das wichtigste für eine gesunde Arbeitswelt seien Stabilität, klare Verantwortlichkeiten, Handlungsspielraum und die Akzeptanz am Arbeitsplatz, sagt der Psychologe.

Trotz allem Stress: Arbeit zu haben ist den Experten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zufolge ein stabilisierender Faktor. Die Zahlen zeigen, dass die psychische Gesundheit Erwerbstätiger meist besser ist als die von Arbeitslosen.

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