Studie : Armut wirkt sich auf Entwicklung des Gehirns aus

Kinder armer Eltern haben ein kleineres Gehirn als Kinder reicher Eltern und schneiden bei Tests schlechter ab. Das ergab eine US-Studie. Die Wissenschaftler haben eine Erklärung dafür, welche Faktoren dabei wichtig sind.

In einem Supermarkt in New York werden Lebensmittel für Arme verteilt.
In einem Supermarkt in New York werden Lebensmittel für Arme verteilt.Foto: imago

Kinder von wohlhabenden und gut ausgebildeten Eltern haben größere Gehirne und schneiden bei Intelligenztests besser ab als Gleichaltrige aus weniger bevorzugten Schichten. Zu diesem Schluss kommen Forscher der "University of Southern California" in einer am Montag in der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" veröffentlichten Studie. Für die Untersuchung - den Autoren zufolge die bisher umfangreichste dieser Art - wurde die geistige Entwicklung von 1099 Mädchen und Jungen zwischen drei und 20 Jahren analysiert, die aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kommen.
Die Forscher verglichen das Einkommen und die Ausbildung der Eltern und maßen mit Scannern die Hirnoberfläche der untersuchten Kinder und Jugendlichen. Sie verglichen zudem deren Ergebnisse bei kognitiven Tests. Dabei berücksichtigten sie auch andere Faktoren, die eine Auswirkung auf das Wachstum des Hirns haben können, etwa das Erbmaterial.
Die Studie zeigt den Autoren zufolge, dass das soziale Umfeld einen großen Einfluss auf die Frühentwicklung des Gehirns hat. Besonders große Unterschiede wurden demnach in den Zonen des Gehirns festgestellt, die für das Sprechen und Lesen, das Gedächtnis, die Entschlussfähigkeit und das räumliche Vorstellungsvermögen ausschlaggebend sind.

Sozialer Einfluss ist bedeutsam

Der soziale Einfluss sei "bedeutsam für die Art und Weise, wie das Gehirn der Kinder arbeitet", sagte die Mitautorin der Studie, Elizabeth Sowell, der Nachrichtenagentur AFP. Die Untersuchung habe einen Zusammenhang zwischen dem Einkommen der Eltern und den kognitiven Fähigkeiten der Kinder aufgezeigt. Besonders deutlich seien die Unterschiede im unteren Bereich der Skala - also bei Jahreseinkommen zwischen umgerechnet 28.000 und knapp 46.000 Euro.
Die Entwicklung könne aber korrigiert werden, heißt es in der Studie weiter. Bereits kleine Verbesserungen, beispielsweise regelmäßiges Schulessen, könnten einen Unterschied machen. "Veränderungen in der Umwelt - etwa beim Einkommen der Familien oder Unterstützung bei der Ernährung oder Ausbildung - können die Entwicklung des Gehirns beeinflussen", betonte Sowell. Dies gelte für Kinder und Jugendliche, aber auch für junge Erwachsene.
Sozio-ökonomische Unterschiede wurden in der Vergangenheit wiederholt mit Unterschieden bei der Denk- und Erkenntnisfähigkeit der Menschen in Verbindung gebracht. Das Ausmaß dieses Zusammenhangs war aber bisher nicht bekannt. (AFP)

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