Stuttgart 21 : Kretschmann: "Ich mache hier nicht den Wowereit"

Der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann will das Krisenmanagement um Stuttgart 21 ganz anders angehen, als sein Berliner Kollege Wowereit das BER-Debakel. Wowereit scheint damit bundesweit zu einem schlechten Vorbild zu werden.

Droht Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Stuttgart 21 ein ähnliches Debakel wie seinem Berliner Kollegen mit dem BER?
Droht Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Stuttgart 21 ein ähnliches Debakel wie seinem Berliner...Foto: dpa

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will der Krise um den Bahnhof Stuttgart 21 nicht tatenlos zusehen. „Eins ist sicher: Ich mache hier nicht den Wowereit und ich werde nicht sehenden Auges in ein Debakel schlittern“, sagte Kretschmann in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.).

Die Ungewissheit über den Weiterbau des Bahnhofs sei für ihn „schwer erträglich“, gerade auch weil er sich an die Volksabstimmung gebunden fühle, durch die die Bürger den Kostenrahmen bestätigt hätten.

Kretschmann stellte klar, dass die Bahn eine Garantie dafür abgeben müsse, dass sie im Falle eines Weiterbaus des Bahnhofs die Kosten trägt. „Sollte der Aufsichtsrat entscheiden, dass die Mehrkosten, die jetzt in Milliardenhöhe berechnet wurden, von der Bahn getragen werden, und damit grünes Licht für den Weiterbau geben, dann verlange ich eine klare und unmissverständliche Erklärung, dass die Durchfinanzierung des Projekts unter allen Umständen von dem Bauherren, der Bahn, sichergestellt ist“, sagte der Ministerpräsident.

Öffentliche Großbauprojekte – ungeplante Mehrkosten
Neuer Hauptstadt-Airport: Entgegen früherer Erklärungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit und seines Vize Matthias Platzeck (beide SPD) wird das Projekt nun doch drastisch teurer als geplant.
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07.08.2012 12:10Neuer Hauptstadt-Airport: Entgegen früherer Erklärungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit und seines Vize Matthias...

Den Brief des Bahnvorstandes an den Aufsichtsrat, in dem der Vorstand geschrieben hatte, er würde das Projekt unter den gegenwärtigen Bedingungen heute nicht mehr beginnen, lässt bei Kretschmann aber Skepsis aufkommen, ob die Bahn tatsächlich zu Ende bauen will: „Begeisterung hört sich irgendwie anders an“, sagte Kretschmann der F.A.S.

Im Dezember war bekannt geworden, dass der Bahnhofsbau in Stuttgart rund 1,1 Milliarden Euro teurer wird, als zuvor bekannt. In der vergangenen Woche hatte dann ein Dossier des Bundesverkehrsministeriums für Aufruhr gesorgt, in dem der Kostenrahmen, die Wirtschaftlichkeit und der Zeitrahmen des Infrastrukturprojekts erneut in Zweifel gezogen werden. (Tsp.)