• Syrien: Erdogan sagt Assad tödliche Zukunft voraus: „Früher oder später wird die Opposition ihn kriegen“

Syrien: Erdogan sagt Assad tödliche Zukunft voraus : „Früher oder später wird die Opposition ihn kriegen“

Der türkische Premierminister Erdogan erhöht den Druck auf US-Präsident Obama. Eine US-Flugverbotszone über Syrien sei unabdingbar. Außerdem fordert er den Machtinhaber Assad auf, Syrien zu verlassen. Ansonsten würde ihn das gleich Schicksal ereilen wie den früheren libyschen Staatschef Gaddafi.

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Wenn der Krieg skurrile Blüten treibt: In Syrien hat ein Rebellenkämpfer seine russische Kalaschnikow mit einer Blume geschmückt. Doch die ungewöhnliche Szene ändert nichts daran, dass der Bürgerkrieg mit unverminderter Härte weitergeführt wird. Auch der Diplomatie ist es bislang nicht gelungen, das Blutvergießen zu beenden.
Wenn der Krieg skurrile Blüten treibt: In Syrien hat ein Rebellenkämpfer seine russische Kalaschnikow mit einer Blume geschmückt....Foto: AFP

Der türkische Premier hat die USA deutlicher als bislang dazu aufgefordert, im Syrienkonflikt „mehr Verantwortung“ zu übernehmen und weitere Schritte zu unternehmen, um das Blutvergießen zu beenden. In einem Gespräch mit dem amerikanischen Fernsehsender NBC bekräftigte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seine Forderung nach einer US-Flugverbotszone über Syrien. Die Vereinigten Staaten schrecken allerdings vor einer militärischen Intervention zurück.

Die Türkei sei von Beginn an für die Einrichtung einer Flugverbotszone in Syrien gewesen und werde ihren Beitrag dazu leisten, wenn die Vereinten Nationen einen derartigen Einsatz beschließen sollten, sagte Erdogan. Das türkische Ministerpräsidentenamt betonte aber, einen Einsatz amerikanischer Bodentruppen habe der Premier nicht befürwortet.

Türkische Luftwaffenstützpunkte wären für die Durchsetzung eines Flugverbots beim südlichen Nachbarn Syrien unabdingbar; die beiden Länder haben eine gemeinsame 900 Kilometer lange Grenze. Nach dem ersten Golfkrieg überwachten die USA vom südtürkischen Stützpunkt Incirlik bei Adana aus das Flugverbot über dem Nordirak.

Syriens Opposition begrüßte Erdogans Vorstoß. „Eine Flugverbotszone würde das Leben von Frauen und Kindern retten“, sagte Louay al Moktad, Medienkoordinator der Rebellenarmee FSA, dem Tagesspiegel. Er hoffe, dass der Aufruf des türkischen Ministerpräsidenten in der internationalen Gemeinschaft Wirkung zeigen werde.

Die syrischen Regimegegner argumentieren aber nicht nur mit dem Schutz von Zivilisten durch eine Flugverbotszone. Sie betonen seit Monaten, diese würde zudem sichere Rückzugsgebiete schaffen, die es den Soldaten der Regierungstruppen erleichtern würden, sich von der Truppe abzusetzen. Auf diese Weise würde die Assad-Herrschaft rascher kollabieren und der Krieg abgekürzt. Die Türkei hofft, dass eine Flugverbotszone zumindest einigen der rund 300 000 syrischen Flüchtlinge im Land die Rückkehr in die Heimat ermöglichen würde.

Auch nach Erdogans Appell stehen die Chancen für eine Einigung in den UN allerdings schlecht. Gerade deshalb plant der Regierungschef, Präsident Obama bei einem Washington-Besuch Beweise für einen Giftgaseinsatz vorzulegen. Erdogan will so den Druck auf die Großmächte erhöhen. Staaten wie die USA und Russland dürften in Syrien nicht einfach zuschauen, sagte Erdogan.

Für seinen einstigen Partner Baschar al Assad hatte Erdogan in dem Interview noch einen persönlichen Seitenhieb parat. Er habe gehört, dass Assads Frau und Kinder Syrien bereits verlassen hätten, weil ihr Leben durch die Haltung des Machthabers in Damaskus im Bürgerkrieg „ruiniert“ worden sei. Assad selbst solle nun ebenfalls das Land verlassen. Sonst drohe ihm ein ähnliches Schicksal wie dem früheren libyschen Staatschef Muammar Gaddafi: „Früher oder später wird die Opposition ihn kriegen.“

Die diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Syrienkonflikts gingen auch am Freitag weiter. Der britische Premierminister David Cameron traf sich mit Kremlchef Wladimir Putin zu kurzfristig angekündigten Gesprächen. Im Schwarzmeerort Sotschi wollte der britische Regierungschef die UN-Vetomacht Russland von der Notwendigkeit eines politischen Wechsels in dem Krisenland überzeugen, hieß es in London. Laut Medienberichten will Cameron auch vorschlagen, London zum Tagungsort für eine Ende Mai geplante internationale Syrienkonferenz zu machen. Diese soll nach den Vorstellungen der USA und Russlands Vertreter aller Konfliktparteien an einen Tisch bringen.

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