Syriens Armee marschiert auf Aleppo : Assads Familie sucht Kontakte ins Ausland

Einige prominente Mitglieder der Familie von Baschar al-Assad glauben offensichtlich nicht mehr an ein Überleben des syrischen Regimes - und suchen Kontakte ins Ausland. Zwei weitere syrische Diplomaten sind übergelaufen.

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Die Spuren des Krieges in Syrien sind deutlich sichtbar. Auch Teile der Assad-Familie glauben anscheinend nicht mehr an einen Sieg des Regimes.
Die Spuren des Krieges in Syrien sind deutlich sichtbar. Auch Teile der Assad-Familie glauben anscheinend nicht mehr an einen Sieg...Foto: AFP

Wie die Nachrichtenagentur dpa in Istanbul aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, sollen Assads Onkel Mohammed Machluf und dessen Söhne versucht haben, Kontakte im Ausland zu knüpfen. Sie suchten Schutz, falls Assad untergehen sollte. Den Angaben zufolge soll dieser Zweig der Familie bereits in Paris und in Moskau angeklopft haben. Mohammed Machluf ist ein Bruder von Assads Mutter. Sein Sohn Rami Machluf war in den vergangenen zwölf Jahren im Windschatten des Präsidenten zu einem der reichsten Geschäftsmanner Syriens aufgestiegen. Auch ein syrisches Diplomatenehepaar kündigte dem Regime in Damaskus die Gefolgschaft auf. Der syrische General Manaf Thlass, der dem engsten Assad- Zirkel angehört und sich am 6. Juli ins Ausland abgesetzt hatte, bekannte sich am Mittwoch zur syrischen Opposition.

Unterdessen sind nach den jüngsten Rebellenerfolgen in den Metropolen Damaskus und Aleppo jetzt die Truppen Assads auf dem Vormarsch. Mindestens 2000 syrische Soldaten wurden Rebellenangaben zufolge nach Aleppo in Marsch gesetzt. „Wir halten uns noch in sechs Bezirken am Rand von Aleppo, und wir haben Verluste“, sagte Abu Omar al Halebi, ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee. In Damaskus beschossen Kampfhubschrauber das südliche Viertel Al Hadschar al Aswad, eine der letzten Rebellenhochburgen in der Hauptstadt.

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Die USA haben bestätigt, dass sich zwei weitere ranghohe syrische Diplomaten abgesetzt haben. Es handle sich um die „Botschafter Syriens in Zypern und den Vereinigten Arabischen Emiraten“, teilte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Mittwoch mit. Das zeige, dass sich immer mehr hochrangige Vertreter aus dem inneren Kreis von Präsident Baschar al-Assad angesichts von dessen „abscheulichen Taten gegenüber seinem eigenen Volk“ abwendeten, sagte Carney weiter. Bei Assads Vertrauten wachse die Einsicht, dass seine Tage an der Macht gezählt seien.

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Blutiger Aufstand gegen Assad
18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
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18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Nach Angaben eines syrischen Oppositionsvertreters handelt es sich dabei um Syriens Geschäftsträgerin in Zypern, Lamia Hariri, und ihren Mann Abdel Latif al-Dabbagh, der bislang für Syrien als Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten war. Vor rund zwei Wochen war bereits der damalige Botschafter im Irak, Nawaf Fares, zur Opposition übergelaufen. Er hält sich inzwischen in Katar auf.

Nach Übergriffen syrischer Rebellen auf türkische Lastwagen hat die Türkei ihre Grenze zu Syrien für den Personen- und Güterverkehr weitgehend geschlossen. Die Vereinten Nationen haben vor dem Hintergrund der ausufernden Gewalt die Hälfte ihrer 300 Beobachter aus Damaskus abgezogen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die internationale Staatengemeinschaft auf, das Gemetzel in Syrien endlich zu stoppen. „Schiebt es nicht länger auf! Schließt Euch zusammen! Handelt!“, appellierte Ban am Mittwoch in einer Rede vor dem bosnischen Parlament in Sarajevo. (dpa/AFP)

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