Syrische Machtstrukturen : Wer Bashar al Assad bisher stützte

Mächtigster Mann nach dem Staatschef ist sein jüngerer Bruder Maher, der die Republikanischen Garden und die Vierte Division der Armee befehligt.

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Auch auf die Streitkräfte kann sich Assad verlassen - noch jedenfalls. Foto: dpa
Auch auf die Streitkräfte kann sich Assad verlassen - noch jedenfalls.Foto: dpa

Kairo - Seit seiner Machtübernahme im Juli 2000 hat sich Syriens Präsident Bashar al Assad Zug um Zug mit Leuten seines Vertrauens umgeben, die entweder aus seiner Familie oder aus seiner Religionsgemeinschaft, den schiitischen Alawiten stammen. Mächtigster Mann nach dem Staatschef ist sein jüngerer Bruder Maher, der die Republikanischen Garden und die Vierte Division der Armee befehligt. Deren Einheiten, die normalerweise auf den Golanhöhen stationiert sind und die Zugänge nach Damaskus kontrollieren, führen den Kampfeinsatz gegen die Stadt Daraa. Demonstranten empfingen die meist alawitischen Elitesoldaten mit den Rufen „Maher, du Feigling, schick deine Truppen auf den Golan“. Der 43-Jährige studierte Maschinenbau an der Universität Damaskus und durchlief anschließend die Offizierslaufbahn bis zum General. Er gilt als brutal und hundertprozentig loyal. 2008 befehligte er die Niederschlagung einer Revolte im Gefängnis von Saidnaya nahe Damaskus. Ein Video zeigt ihn, wie er durch die Trümmer schreitet und mit seinem Mobiltelefon Aufnahmen der verstümmelten Körper politischer Häftlinge macht.

Verteidigungsminister ist seit 2009 Ali Habib Mahmud. Er trat 1959 im Alter von 20 Jahren in Armee ein und machte schnell Karriere. Von 1994 bis 2002 kommandierte er die syrischen Spezialeinheiten, danach war er fünf Jahre lang Oberbefehlshaber der syrischen Streitkräfte. Er ist – wie Bashars Bruder Maher – Mitglied des Zentralkomitees der Baath-Partei. Stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist Assef Shawqat, der zuvor von 2005 bis 2010 Chef des militärischen Geheimdienstes war. Er stammt aus einer alawitischen Familie in Tartus, studierte Jura und promovierte in Geschichte. Der 61-Jährige ist seit 1995 mit Bashar Assads Schwester Bushra verheiratet. Bei einer Familienfehde 1999 soll ihm der jähzornige Maher al Assad in den Bauch geschossen haben. Shawqat überlebte nach einer Operation in Paris, die beiden Kontrahenten haben sich inzwischen ausgesöhnt.

Mächtigster Wirtschaftsmagnat des Assad-Clans ist Rami Makhlouf, der in Syrien wie kein anderer für die Verfilzung von politischer Macht mit finanziellen Interessen steht. Der Vetter des Präsidenten gilt als hochkorrupt und als politischer Hardliner. Kein ausländisches Unternehmen kann in Syrien tätig werden ohne seine Zustimmung. Zu Makhloufs Imperium gehören Freihandelszonen und Duty Free Shops, ein Baukonzern und eine Fluglinie, Importfirmen für Luxusautos sowie der Mobilfunkkonzern Syriatel, dessen Filialen in Daraa von Protestierern schon bald nach Beginn der Unruhen verwüstet wurden. Oppositionelle Websites beschuldigen den Oligarchen, im ganzen Land Pro-Assad-Demonstrationen finanziert zu haben. Deren Teilnehmer bekamen freies Essen, syrische Flaggen und ein großzügiges Handgeld.

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