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Team Donald Trump : Diese Leute regieren jetzt die USA

Milliardäre, Politikneulinge, Ex-Soldaten, Geschäftemacher - die neue US-Regierungsmannschaft ist eine bunte Truppe. Nicht alle denken so wie ihr neuer Chef. Ein Überblick.

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Donald Trump schirmt seine Augen mit der Hand ab, um trotz der blendenden Scheinwerfer sehen zu können.
Donald Trump schirmt seine Augen mit der Hand ab, um trotz der blendenden Scheinwerfer sehen zu können.Foto: dpa

Es wird Ernst: Diesen Freitag wird Donald Trump als 45. US-Präsident vereidigt. Wer bei der großen Feier zur Amtseinführung am 20. Januar für Trump singen wird, ist noch unklar. Trumps Regierungsteam hingegen steht weitestgehend fest. Hier ein Überblick der Kandidaten und Personen, die Trumps Politik prägen werden:

Melania Trump, First Lady
Melania Trump, First LadyFoto: Scott Olson/Getty Images/AFP

Melania Trump: Ehemaliges Fotomodell und First Lady

Auch kurz vor der Amtsübernahme von Donald Trump ist nicht klar, welche Rolle die neue First Lady der Vereinigten Staaten in den kommenden vier Jahren spielen will. Trump selbst kündigte bereits im vergangenen Jahr an, seine Frau werde in New York bleiben, um sich um ihren zehnjährigen Sohn Barron zu kümmern, und nicht nach Washington ziehen. Melania Trump, ein aus Slowenien stammendes ehemaliges Fotomodell, hatte im Wahlkampf für Schlagzeilen gesorgt, weil sie eine Rede von Michelle Obama, der Frau des scheidenden Präsidenten Barack Obama, in weiten Teilen kopierte. In der Öffentlichkeit hält sie sich seitdem mit Äußerungen zurück. Sie deutete aber an, sich in den kommenden Jahren besonders um das Thema Cyber-Bullying kümmern zu wollen.

Ivanka Trump, First Lady II.
Ivanka Trump, First Lady II.Foto: Andrew Gombert/EPA/dpa

Ivanka Trump: Tochter ohne offizielle Rolle

Die Tochter des neuen Präsidenten dürfte in Washington viele Funktionen der First Lady übernehmen. Sie steigt aus dem Familienunternehmen Trump Organization aus, das von Trumps erwachsenen Söhnen Donald Jr und Eric weitergeführt werden soll. In der amerikanischen Hauptstadt soll die Präsidententochter zwar keine offizielle Rolle übernehmen, doch dürfte sie ihren Vater und ihren Mann und künftigen Präsidentenberater Jared Kushner bei vielen Gelegenheiten begleiten. Im Wahlkampf von Trump zeichnete sie unter anderem für familienpolitische Vorschläge verantwortlich, die von Kritikern als Geschenk an die Reichen verdammt wurden; später arbeitete sie im Übergangsteam ihres Vaters mit. Ivanka dürfte auch ohne offizielles Amt großen Einfluss auf Trump haben.

Jared Kushner, Berater
Jared Kushner, BeraterFoto: Carolyn Kaster/AP/dpa

Jared Kushner: Schwiegersohn und wichtiger Berater

Im vergangenen Jahr hat sich der junge Immobilienmilliardär und Schwiegersohn Trumps zu einem der wichtigsten Berater des neuen Präsidenten entwickelt. Anders als der aufbrausende und impulsive Trump ist Kushner ruhig und besonnen. Politische Gegner Trumps hoffen auf einen mäßigenden Einfluss Kushners, der als Berater ganz offiziell im Weißen Haus sitzen soll – obwohl die amerikanischen Gesetze den Präsidenten eigentlich die Beschäftigung von Familienmitgliedern verbieten. Der Verdacht der Vetternwirtschaft hat zumindest bisher aber nichts daran geändert, dass Kushner zu den wenigen Vertrauten gehört, die jederzeit Zugang zu Trump haben und die das Denken und Handeln des neuen Staatschefs entscheidend beeinflussen können.

Mike Pence, Vizepräsident
Mike Pence, VizepräsidentFoto: Stephanie Keith/rtr

Mike Pence: Vizepräsident und graue Eminenz

Der künftige Vizepräsident ist einer der wichtigsten Männer in der Umgebung Trumps. Dem Gouverneur des Bundesstaates Indiana kommt nicht zuletzt deshalb eine Schlüsselrolle zu, weil er sich – anders als Trump – im politischen Washington auskennt und viele Kontakte hat. Pence ist ein erzkonservativer Republikaner, der bei kontroversen Themen wie der Abtreibung weiter rechts steht als Trump und sich einmal so beschrieb: „Christ, Konservativer, Republikaner – und zwar in dieser Reihenfolge.“ Als Leiter der Übergangsmannschaft von Trump hatte er einen großen Einfluss auf das Personal und die inhaltliche Ausrichtung der neuen Regierung. Viele Beobachter in Washington halten ihn für die graue Eminenz der neuen Administration.

Stephen Bannon, Chefberater
Stephen Bannon, ChefberaterFoto: Danny Moloshok/Invision/AP

Steve Bannon: Chefberater und Ultrarechter

Als Chefberater des Präsidenten im Weißen Haus wird Bannon das Ohr Trumps haben und dürfte diese Chance nutzen, um den Staatschef an seine rechtspopulistischen Grundaussagen im Wahlkampf zu erinnern. Bannon, ein ehemaliger Investmentbanker und Chef des rechtsgerichteten Nachrichtenportals Breitbart News, ist ein erklärter Gegner des politischen Establishments in Washington und kann auch mit der Parteiführung von Trumps Republikanern nur wenig anfangen. Er bezeichnet sich selbst als „wirtschaftspolitischen Nationalisten“ und steht für einen protektionistischen Kurs sowie für den Widerstand gegen den internationalen Freihandel. Offen ist, wie sich die Gegensätze zwischen dem Ideologen Bannon und gemäßigteren Akteuren im Weißen Haus auswirken wird.

Reince Priebus, Stabschef
Reince Priebus, StabschefFoto: Don Emmert/AFP

Reince Priebus: Gut vernetzter Stabschef

Der bisherige Generalsekretär der Republikaner soll in seiner neuen Rolle als Stabschef im Weißen Haus vor allem dafür sorgen, dass die Regierung gut mit den republikanischen Mehrheitsfraktionen in Senat und Repräsentantenhaus kooperiert und so die rasche und reibungslose Verabschiedung von Trumps Gesetzesprojekten garantieren. Priebus ist ein langjähriger Freund und politischer Weggefährte von Paul Ryan, dem Präsidenten des Repräsentantenhauses. Im Weißen Haus bildet Priebus eines der Gegengewichte zu dem Populisten Bannon. Nach Einschätzung von Beobachtern hat Trump die beiden Rivalen absichtlich in seiner Nähe platziert, um auf diese Weise eine ständige Debatte über politische Inhalte und Strategien innerhalb der Regierung zu provozieren.

Kellyanne Conway, Beraterin
Kellyanne Conway, BeraterinFoto: Kena Betancur/AFP

Kellyanne Conway: Beraterin und Trumps Wahlkampfleiterin

Die Meinungsforscherin stieß im Sommer relativ spät zu Trumps Wahlkampfmannschaft, eroberte sich aber bald eine beinahe unersetzliche Position. Conway hielt selbst angesichts der Enthüllungen über extrem frauenfeindliche Äußerungen des Kandidaten zu Trump. Sie ist die erste US-Wahlkampfmanagerin, die einen Präsidentschaftswahlkampf zum Erfolg führte. Nach dem Wahlsieg konnte sie sich als einzige Trump-Beraterin öffentliche Kritik an dem designierten Präsidenten leisten: Sie lehnte den Regierungseintritt des von Trump als Außenminister in Betracht gezogenen Ex-Gouverneurs Mitt Romney strikt ab – und setzte sich am Ende durch. Im Weißen Haus wird sie vor allem für das äußere Erscheinungsbild der Regierung zuständig sein.

Sean Spicer, Pressesprecher
Sean Spicer, PressesprecherFoto: Brendan McDermid/REUTERS

Sean Spicer: Pressesprecher und Medienkritiker

Als langjähriger Pressesprecher der republikanischen Parteiführung in Washington verfügt Spicer über viel Erfahrung im Umgang mit den Medien. Einer seiner ersten Aufgaben wird darin bestehen, das Verhältnis zwischen der neuen Regierung und der Presse zu regeln. Trump ist für seine Ausfälle gegen unliebsame Zeitungen, Fernsehsender und Internetportale bekannt und kanzelte erst vor wenigen Tagen einen CNN-Reporter ab. Spicer will die täglichen Pressekonferenzen des Weißen Hauses beibehalten, aber die Rolle der etablierten Medien im Pressekorps des Weißen Hauses beschneiden. In seinen bisherigen Äußerungen ließ er durchblicken, dass er nicht nur ein loyaler Trump-Anhänger ist, sondern wie sein Chef viele Medien in Washington mit Misstrauen betrachtet.

Michael Flynn, Nationaler Sicherheitsberater
Michael Flynn, Nationaler SicherheitsberaterFoto: Yuri Gripas/rtr

Michael T. Flynn: Sicherheitsberater mit Sympathien für Russland

Der Ex-General ist als künftiger Nationaler Sicherheitsberater von Trump einer der wichtigsten Torwächter im Weißen Haus. Wer mit sicherheits- oder außenpolitischen Vorschlägen an den Präsidenten herantreten will, der kommt an Flynn nicht vorbei. Kritiker werfen ihm Sympathien mit Russland und eine ideologisch motivierte Abneigung gegen den Islam vor, den er einmal als „Krebsgeschwür“ bezeichnete. Flynn ist außerdem wegen politischer Lobbyarbeit umstritten, in deren Rahmen er unter anderem die Positionen der türkischen Regierung im Streit um die Auslieferung des in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen vertreten haben soll. Innerhalb der Administration wird sich Flynn gegen gemäßigtere Akteure im Verteidigungs- und Außenministerium durchsetzen müssen.

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