Terror im Libanon : Festnahmen nach Anschlag in Beirut

Syrer und Libanesen sollen die Attentate mit 44 Toten verübt haben. Die Terrormiliz IS will das Land destabilisieren und die Hisbollah schwächen.

von und
In großer Trauer: Angehörige nehmen Abschied von den Attentatsopfern. AFP
In großer Trauer: Angehörige nehmen Abschied von den Attentatsopfern.Foto: Joseph Eid/AFP

Drei Tage nach dem Doppelanschlag in Beirut mit 44 Toten und mehr als 200 Verletzten hat die libanesische Polizei elf Verdächtige festgenommen. Es handele sich um acht Syrer und drei Libanesen, teilten Sicherheitskreise mit. Die sunnitische Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) hatte sich zu dem Anschlag am Donnerstag in einer belebten Geschäftsstraße im Viertel Burdsch al Baradschne bekannt, einer Hochburg der schiitischen Hisbollah.

Die Nachrichtenagentur AFP zitiert Innenminister Nuhad Maschnuk mit der Information, einer der Festgenommenen habe sich in die Luft sprengen wollen, bei einem weiteren handele es sich um einen Schleuser, der die Gruppe aus Syrien in den Libanon geschmuggelt habe. „Die Mitglieder des Selbstmordattentäter-Netzes und seine Unterstützer wurden festgenommen“, sagte Maschnuk.

Man habe sieben Syrer in einem palästinensischen Flüchtlingslager sowie in einer Wohnung im Osten der Stadt überwältigt, wo auch die Sprengstoffgürtel angefertigt worden seien. Die Gruppe wollte nach Angaben des Innenministers eigentlich fünf Selbstmordattentäter in ein Krankenhaus schicken. Aber wegen der scharfen Sicherheitsvorkehrungen dort hätten sie ihr Ziel geändert und die Geschäftsstraße ausgewählt. Er rechne mit weiteren Anschlägen, betonte Maschnuk.

Der Anschlag war in der weltweiten Berichterstattung wegen der Ereignisse in Paris etwas untergegangen, was vor allem in den sozialen Medien am Wochenende scharf kritisiert worden war. Die „New York Times“ hat wohl auch deshalb die Geschichte von Adel Tormous, der bei Twitter und Facebook als Held gefeiert worden war, aufgegriffen.

Einer rettete Hunderte

Tormous war mit seiner kleinen Tochter in Burdsch al Baradschne unterwegs und stand an einem Kaffeestand, als der erste Attentäter sich in die Luft sprengte. Er warf sich auf einen zweiten Angreifer, der wohl in die nahe gelegene Moschee eindringen wollte – beide wurden in die Luft gesprengt. Doch die arabischen Medien sind sich einig, dass Tormous mit seinem Eingreifen hunderten Menschen das Leben gerettet hat, auch seiner Tochter. Am Freitag und Samstag legten viele Beiruter an den beiden Orten, an denen die Attentäter ihre Sprengstoffwesten gezündet hatten, Blumen nieder. Viele zogen von dort weiter zur französischen Botschaft, um der in Paris getöteten Menschen ebenfalls zu gedenken.

Der „Islamische Staat“ versucht schon seit Monaten, von Syrien aus im Libanon Fuß zu fassen. In erster Linie geht es den Dschihadisten darum, strategisch wichtige Dörfer im Grenzgebiet unter Kontrolle zu bekommen. Aber auch in größere Städte hat die Extremistenmiliz bereits ihren Terror hineingetragen – mit Anschlägen und bewaffneten Überfällen. Das dient dem Ziel, den ohnehin politisch sehr fragilen, rund 4,3 Einwohner zählenden Libanon – dort leben inzwischen laut Angaben der Vereinten Nationen weit mehr als eine Million Flüchtlinge – weiter zu destabilisieren.

Erklärter Gegner ist die Hisbollah. Die Schiitenmiliz gehört schon lange zu den einflussreichsten politischen und militärischen Machtfaktoren im Zedernstaat. Die „Partei Gottes“ unterstützt aber auch das Assad-Regime. Hunderte Hisbollah- Mitglieder sind in Syrien im Einsatz. Sie bekämpfen Rebellen und sunnitische Extremisten – wie den „Islamischen Staat“.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar