Terrormiliz "Islamischer Staat" : IS, ISIS, ISIL, Daesh: ins Lächerliche gezogen

Gerade britische Politiker nennen den Islamischen Staat häufig „Daesh“, weil dieser Name die Islamisten angeblich verspottet. Was hat es mit dieser Umbenennung der Terrormiliz auf sich?

von
Es gibt nur einen Allah, aber viele Namen. Abu Talha al-Almani war früher, Denis Cuspert alias "Deso Dogg". Der Islamische Staat war schon ISIS, ISIL, IS und Daesch.
Es gibt nur einen Allah, aber viele Namen. Abu Talha al-Almani war früher, Denis Cuspert alias "Deso Dogg". Der Islamische Staat...Foto: dpa

Die Terrorbande hat öfter mal ihren Namen gewechselt. Nun kommt auch noch von außen eine Bezeichnung hinzu, die den hinreichend schlechten Ruf der Mördertruppe zusätzlich semantisch lädieren oder verballhornen soll. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ wird vom britischen Premierminister David Cameron und weiteren Politikern „Daesh“ genannt, weil der arabische Begriff angeblich die Fanatiker verspottet. Kenner der islamischen Welt bezweifeln jedoch, dass „Daesh“ derart wirkmächtig sein könnte, zumal der Name korrekt geschrieben „Da’ish“ lautet. „Ich halte überhaupt nichts davon“, sagt Guido Steinberg, Nahost- und Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

„Da’ish“ werde in arabischen Medien als Kurzformel für „ISIS“ verwandt, den früheren Namen der Terrormiliz, sagt Steinberg. Bis zur Ausrufung des „Kalifats“ im Juni 2014 nannte sich die Organisation „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“, auf Arabisch „ad daula al islamyya fil iraq wa sham“. Aus dem Namen wurden für „Da’ish“ die Buchstaben „d“ für daula (Staat), „a“ für „al islamyya“, „i“ für Irak und „sh“ für Sham destilliert. Mit Sham ist im Arabischen die Levante gemeint, also Syrien sowie Libanon, Jordanien, Palästina und Teile des Irak. Das Wort „islamisch“ kommt, anders als bisweilen spekuliert, auch in „Da’ish“ vor.

Dass westliche Politiker und einige Medien glaubten, der Begriff habe dennoch einen negativen Klang, hält Steinberg für eine übertriebene Interpretation. „Da’ish“ sei die arabische Abkürzung, „weil es sich um eine Organisation im Irak und in Syrien handelt“. Die Idee, den Begriff als Sprachwaffe für die Auseinandersetzung mit der Terrormiliz instrumentalisieren zu wollen, empfindet der Nahostexperte als „nervig“. Zumal in den arabischen Medien der Name IS oft auch „daula“ gekürzelt werde, also schlicht als „Staat“. Allerdings stets im Kontext des vollen Namens der Terrormiliz. Und man müsse „gut Arabisch können, um den Begriff ,Da’ish’ richtig auszusprechen“, betont Steinberg. Englischsprache Politiker sagten meist „Däsch“ und machten damit sich selbst lächerlich, nicht den IS.

Steinberg ist nicht der einzige Fachmann, der sich für den souveränen Umgang mit dem Namen einer Terrororganisation ausspricht. Das US-amerikanische Site Institute, das die Auftritte der Dschihadistenszene im Internet beobachtet, schreibt „Islamic State“. Das „International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence (ICSR)“, das vom Londoner King’s College aus forscht, nennt meist den „Islamic State“, ab und zu wird „Daesh/Islamic State“ kombiniert. Guido Steinberg schreibt weiterhin „Islamischer Staat“. Oder schlicht „Terrormiliz IS“.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

37 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben