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Terrorverdacht : Salafist Sven Lau verhaftet

Mit seiner "Scharia-Polizei" sorgte Sven Lau bundesweit für Empörung. Nun wird er verdächtigt, einer dem IS nahe stehenden Gruppe geholfen zu haben.

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Der Islam-Prediger Sven Lau, alias Abu Adam spricht auf einer Kundgebung in der Flughafenstrasse in Berlin Neukölln vor mehreren hundert Muslimen als Vorredner von Pierre Vogel.
Der Islam-Prediger Sven Lau, alias Abu Adam spricht auf einer Kundgebung in der Flughafenstrasse in Berlin Neukölln vor mehreren...Foto: imago

Der Mann ist einer härtesten Einpeitscher der Salafistenszene in Deutschland und mutmaßlich auch ein Terrorhelfer. Die Bundesanwaltschaft hat am Dienstag in Mönchengladbach den Prediger Sven Lau festnehmen lassen, der Bundesgerichtshof hatte einen Haftbefehl wegen des Verdachts auf Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ausgestellt. Lau soll einer Gruppierung, die in der Konfliktregion Syrien-Irak mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ liiert ist, zwei Rekruten zugeführt sowie Geld und Nachtsichtgeräte verschafft haben. Der Beschuldigte sei „eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf“, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

    Der 35 Jahre alte Lau, ein deutscher Konvertit und ehemaliger Feuerwehrmann, hatte im vergangenen Jahr reichlich Wirbel verursacht, als er in Wuppertal mit weiteren Salafisten als „Scharia-Polizei“ aufgetreten war. Der Trupp mit orangefarbenen Westen und der Aufschrift  „Shariah Police“ zog durch den Stadtteil Elberfeld und sprach vor Spielhallen und Gaststätten Muslime an. Die Salafisten warnten vor Glücksspiel und Alkohol, wurden aber meist von den Besuchern der Lokale kaum ernst genommen. Dennoch war die Empörung groß, selbst die Bundeskanzlerin kritisierte den Auftritt der bärtigen Sittenwächter. Niemand sei befugt, „sich in die Rolle der Polizei hinein zu schleichen“, sagte Angela Merkel, deshalb müsse „den Anfängen gewehrt werden“. Das Landgericht Wuppertal ließ jedoch vergangene Woche eine Anklage gegen Lau und acht weitere Salafisten wegen des Auftritts als Scharia-Polizei nicht zu.

Nach Syrien gereist

     Nun sieht sich Lau mit einem härteren Verfahren konfrontiert. Der Prediger soll 2013 von Deutschland aus die Terrororganisation „Jaish al-muhajirin wa-l-ansar“ (Jamwa), zu Deutsch „Armee der Auswanderer und Helfer“, unterstützt haben. Die mehrere hundert Kämpfer zählende Truppe, meist Syrer, Saudis und Libyer, wurde 2012 von einem Georgier gegründet. Ein Teil der Organisation schloss sich 2013 der  sich damals ISIS nennen Terrormiliz an, die heute als IS auftritt.

    Laut Bundesanwaltschaft soll Lau im Spätsommer 2013 der Jamwa den Libanesen Ismail I. und eine weitere Person vermittelt haben. Ismail I. nahm in Syrien nahe Aleppo an einem Kampfeinsatz teil, kehrte dann nach Deutschland zurück und besorgte Material für Jamwa. Doch die Polizei nahm den Libanesen fest, im März 2015 verurteilte ihn das Oberlandesgericht Stuttgart zu viereinhalb Jahren Haft.

    Lau selbst soll zudem im September 2013 nach Syrien gereist sein und dort Ismail I. 250 Euro überbracht haben. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft erteilte die Jamwa  Lau noch in Syrien den Auftrag, in der Bundesrepublik Nachtsichtgeräte zu besorgen. Drei Stück im Wert von 1440 Euro soll Lau dann beschafft haben. Möglicherweise brachte er sie sogar selbst im Oktober 2013 nach Syrien oder ließ sie über eine islamistische Hilfsorganisation dorthin transportieren.    

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