Timothy Garton Ash : Historiker kritisiert Erdogans "neo-sultanische Haltung"

Nach der brutalen Räumung des Gezi-Parks in Istanbul wird der türkische Premier Erdogan seinen Ruf kaum wieder herstellen können, glaubt der britische Historiker Timothy Garton Ash. Dennoch müsse Brüssel weiterhin mit Ankara im Gespräch bleiben.

Der Historiker Timothy Garton Ash Foto: dpa
Der Historiker Timothy Garton AshFoto: dpa

Der britische Historiker Timothy Garton Ash fordert die Europäische Union auf, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei fortzusetzen. Angesichts der Proteste auf dem Taksim-Platz und des teilweise brutalen Vorgehens der Erdogan-Regierung müsse Brüssel jetzt erst recht mit Ankara im Dialog bleiben, sagte Garton Ash dem Tagesspiegel.

Garton Ash, der sich als Beobachter der friedlichen Revolutionen von 1989 einen Namen gemacht hat, hofft auf Staatspräsident Abdullah Gül als gemäßigten Nachfolger des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Gül könnte das „türkische Modell“ fortsetzen, das „als friedliches Zusammenspiel von Säkularismus, Islam und Demokratie“ auch eine Vorbildfunktion für die arabische Welt habe. Erdogan mit seiner „neo-sultanischen Haltung“ jedoch werde seinen Ruf in der Welt kaum wieder herstellen können, sagte Garton Ash.

Proteste in der Türkei
Die Proteste um den Gezi-Park in Istanbul jähren sich am 28. Mai 2014 zum ersten Mal. Sehen Sie hier Eindrücke aus der Anfangszeit der monatelangen Proteste und den gewaltsamen Reaktionen der Polizei. 22. Juni 2014: Am Samstagabend haben die Demonstranten auf dem Taksim-Patz die Sicherheitskräfte in Kampfmontur mit roten Nelken beworfen. Die Polizei antwortete mit Wasserwerfern. Foto: ReutersWeitere Bilder anzeigen
1 von 67Foto: Reuters
22.06.2013 21:21Die Proteste um den Gezi-Park in Istanbul jähren sich am 28. Mai 2014 zum ersten Mal. Sehen Sie hier Eindrücke aus der Anfangszeit...

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