Politik : Todesstrafe: US-Studie: Schwarze Mörder riskieren eher die Höchststrafe

KNA

Hautfarbe und Wohnort haben nach einer neuen Studie in den USA eine statistisch relevante Beziehung zu der Frage, ob ein Kapitalverbrechen mit der Todesstrafe geahndet wird oder nicht. Während US-Justizministerin Janet Reno die Ergebnisse des Berichts als Resultat sozialer Unterschiede wertete, forderten Gegner der Todesstrafe erneut ein Moratorium.

Der Bericht des stellvertretenden Generalstaatsanwalts Eric Holder untersuchte die Anfragen von Anklagevertretern bei seiner Behörde, inwieweit in konkreten Fällen eine Todesstrafe gerechtfertigt ist. Von 1995 bis Juli 2000 empfahl die Generalstaatsanwaltschaft in 159 von 682 Anfragen die höchstmögliche Strafe. Davon waren 28 Prozent Weiße und 72 Prozent Schwarze sowie Angehörige anderer Minderheiten. Von den dann tatsächlich ausgesprochenen Todesurteilen aber waren 20 Prozent Weiße und 80 Prozent Straftäter mit anderer Hautfarbe.

In geographischer Hinsicht entfielen 43 Prozent aller Empfehlungen, eine Todesstrafe zu beantragen, auf lediglich neun der 94 Staatsanwaltsbezirke in den USA. Dabei handelt es sich um Puerto Rico, Virginia-Ost, Maryland, New York Süd, New York Ost, Missouri-West, New Mexico, Tennessee-West und Texas-Nord.

"Wenn man als Afro-Amerikaner in Texas ein Verbrechen begeht, das die Todesstrafe nach sich ziehen kann, dann bekommt man sie auch", sagte der demokratische Abgeordnete und Bürgerrechtler Jesse Jackson. "Wenn man ein Weißer in New York ist, bekommt man sie wahrscheinlich nicht." Jackson sprach von einem "Todesstrafen-Darwinismus". Amnesty International forderte Präsident Bill Clinton auf, ein Moratorium zur Todesstrafe zu erklären.

Justizministerin und Generalstaatsanwältin Reno hingegen erklärte, die Ergebnisse der Studie seien das Resultat von sozialen Krankheiten wie Armut, Drogenmissbrauch und Mangel an gesellschaftlichen Aufstiegschancen. Davon seien Minderheiten stärker betroffen als Weiße. Das Justizwesen sei aber nicht das geeignete Mittel, um solche sozialen Probleme zu lösen.

Papst Johannes Paul II. hat indes einen Gnadenakt für Rocco Derek Barnabei gefordert, der am Donnerstag im US-Bundesstaat Virginia hingerichtet werden soll. Dem 33-jährigen Italo-Amerikaner wird vorgeworfen, 1994 seine Freundin vergewaltigt und ermordet zu haben. Er hat stets seine Unschuld beteuert. Ein DNA-Test hatte ihn am Wochenende erneut belastet. Daraufhin ordnete der Gouverneur von Virginia, James Gilmore, an, die Hinrichtung vorzubereiten.

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