Todesursache unklar : Starb Arafat an Aids?

Es könnte verschiedene Gründe für Arafats Tod geben. Wurde er tatsächlich vergiftet? Oder hatte er Aids? Die Ärzte schweigen. Ihr Report wurde gar als "militärisches Geheimnis" deklariert. Was verbergen sie?

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Was war die Ursache für Arafats Tod? Ein neuer Report wirft Fragen auf.
Was war die Ursache für Arafats Tod? Ein neuer Report wirft Fragen auf.Foto: dapd

„Die Ursache für Arafats Tod war Aids.“ Zu diesem Schluss sollen die französischen Ärzte gekommen sein, die den Palästinenserführer in den letzten Tagen seines Lebens behandelten. Doch das Pariser Krankenhaus, die Palästinenserführung und Arafats Witwe Suha weigern sich, den ärztlichen Schlussreport zu veröffentlichen.

Was haben die Ärzte des französischen Percy-Militärkrankenhauses bei Paris zu verbergen? Alle Informationen in diesem Zusammenhang wurden von ihnen als „militärisches Geheimnis“ deklariert, über das sie auch heute, acht Jahre nach Arafats Tod, keine Auskunft geben. Nachdem der arabische Nachrichtensender Al Dschasira diese Woche einen sensationellen Bericht ausstrahlte, nach dem Arafat möglicherweise durch das radioaktive Gift Polonium 210 vergiftet wurde, zeichnen sich vier wahrscheinliche Todesursachen ab: Vergiftung, Aids, Ärztefehler oder eine Mischung der letzten beiden Punkte.

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Ausgerechnet einer der extremistischen Palästinenserführer, Ahmed Jibril, Kommandant der PFLP-GC (Volksfront für die Befreiung Palästinas – Generalkommando) hatte im Fernsehsender Al Manar der Hisbollah vor fünf Jahren den ersten öffentlichen Hinweis auf Aids als Todesursache gegeben. Bei einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe ihm einer von dessen Begleiter wörtlich gesagt: „Ehrlich, die Franzosen haben uns den medizinischen Bericht gegeben, und die Ursache für Arafats Tod war Aids.“

Ob die von Arafats Witwe Suha in der TV-Sendung geforderte und sofort von der Palästinenserführung bewilligte Untersuchung der Leiche eine endgültige Klärung der Todesursache bringen wird, bezweifeln viele Experten. Eine Exhumierung der Leiche wäre eigentlich nicht nötig, es sei denn, seit Arafats Tod wurden Beweismittel manipuliert. Denn das Militärkrankenhaus, Suha Arafat oder die Palästinenserbehörde müssten nur den ärztlichen Bericht veröffentlichen.

Eine Erklärung für das Verhalten der Ärzte könnte ein Hinweis des israelischen Staranwalts Dov Weissglass sein. Der engste Vertraute und Kanzleichef des damaligen Ministerpräsidenten Ariel Scharon erklärte im israelischen Fernsehen, „nach einer geglückten halben Bluttransfusion hat man eine zweite, ganze Transfusion vorgenommen, ein schwerer medizinischer Fehler“. Arafat sei in einen Schockzustand gefallen und habe sich nicht mehr erholt.

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