Politik : Tödliche Falle

Nach dem Attentat auf die Bundeswehr in Afghanistan spricht Merkel von einem „feigen Anschlag“

Riskanter Einsatz. Auch im April gab es tödliche Angriffe auf die Bundeswehr in Afghanistan. Das Foto zeigt Bundeswehrsoldaten, die damals im Feldlager des Wiederaufbauteams Kundus an einer Trauerfeier für gefallene Kameraden teilnahmen. Foto: Steffen Kugler/dpa
Riskanter Einsatz. Auch im April gab es tödliche Angriffe auf die Bundeswehr in Afghanistan. Das Foto zeigt Bundeswehrsoldaten,...Foto: dpa

Berlin/Neu Delhi - Schock für die Bundeswehr am neunten Jahrestag des Kriegsbeginns in Afghanistan: Ein Selbstmordattentäter der Taliban riss am Donnerstag in der Unruheprovinz Baghlan einen deutschen Soldaten in den Tod und verletzte sechs weitere teils schwer. Damit stieg die Zahl der toten Bundeswehrsoldaten seit Beginn des Einsatzes auf 44. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem „feigen Anschlag“. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ließ aber keinen Zweifel an der Notwendigkeit des Einsatzes.

Bei dem Getöteten handelt es sich um einen 26-jährigen Oberfeldwebel vom Fallschirmjägerbataillon 313 aus dem niedersächsischen Seedorf. Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam am Abend weiter mitteilte, wurden die Angehörigen informiert. Drei der Verwundeten würden noch im Feldlazarett in Masar-i-Scharif behandelt. Es bestehe aber keine Lebensgefahr. Die anderen drei seien wieder bei ihren Einheiten.

Die Bundeswehr-Patrouille hatte den Auftrag, eine Zufahrtsstraße zu einer Brücke zu sichern, als sie von dem Selbstmordattentäter angegriffen wurde. Nach Informationen des Tagesspiegels zündete der Attentäter, der offenbar als Bauer getarnt war, kurz vor 14 Uhr auf der Brücke nördlich von Pul-i-Khumri einen Sprengsatz unter seinem Gewand. Der getötete 26-jährige Oberfeldwebel und drei der Verletzten hatten sich im Rahmen einer Patrouille zur Sicherung der Brücke postiert. Zwei der nach Masar-i-Scharif gebrachten Verletzten, alle Mitte 20, gehören ebenfalls dem Fallschirmjägerbataillon an, der dritte ist Sanitäter aus dem niedersächsischen Faßberg. Die insgesamt sechs Verletzten wurden vom Anschlagsort ausgeflogen, die anderen Soldaten des als Task Force von Kundus aus eingesetzten Ausbildungsschutzbataillons wurden anschließend nach Angaben des Potsdamer Einsatzführungskommandos mit Handfeuerwaffen und Mörsern beschossen und bis zum Donnerstagabend in ein Gefecht verwickelt. Der Kommandeur des Regionalkommandos Nord, der deutsche General Fritz, machte sich vor Ort in Kundus ein Bild von der Lage.

Keine zwei Stunden nach dem Anschlag informierte Guttenberg in einer Plenardebatte über die Versorgung von verwundeten und traumatisierten Soldaten über die Attacke. Er sprach von einer sehr traurigen Nachricht, verteidigte aber gleichzeitig den Einsatz am Hindukusch. Er diene auch der Sicherheit in Deutschland. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, der Anschlag erfülle ihn mit tiefster Trauer. „Dieser barbarische Akt richtet sich nicht nur gegen uns, er richtet sich auch gegen die große Mehrheit der Afghanen, die eine friedliche, auf Ausgleich und Versöhnung gerichtete Politik für ihr Land will.“

Der afghanische Präsident Hamid Karsai rief unterdessen am Donnerstag einen „Hohen Friedensrat“ ins Leben und forderte die Taliban eindringlich zum Ende der Gewalt auf. „Die Menschen in jedem Dorf und in jedem Distrikt hoffen darauf, dass durch Ihren Einsatz ein dauerhafter Frieden in diesem Land erreicht werden kann“, sagte Karsai in Kabul. dpa/mue

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