Traditionelle Friedensdemos : Trotz Ukraine-Krise wenig Zulauf bei Ostermärschen

Die politische Krise in der Ukraine weckt Ängste vor einem neuen militärischen Konflikt. Frieden wünschen sich viele - aber an den traditionellen Ostermärschen nehmen nur wenige teil. Für Montag sind weitere Märsche angemeldet.

In Frankfurt oder wird beim Ostermarsch die Friedensglocke geläutet. Versammelt hatten sich dafür etwa 100 Menschen.
In Frankfurt oder wird beim Ostermarsch die Friedensglocke geläutet. Versammelt hatten sich dafür etwa 100 Menschen.Foto: dpa

Als Zeichen gegen Krieg, Atomwaffen und Kernenergie haben Friedensaktivisten in Nordrhein-Westfalen ihren Ostermarsch aufs Rad verlegt. Für die zweite Etappe des traditionellen Ostermarsches durch das Ruhrgebiet stiegen am Sonntag rund 150 Teilnehmer auf Fahrräder um.

Zum Auftakt der rollenden Demonstration protestierten die Atomkraft- und Kriegsgegner vor der Konzernzentrale des Energieversorgers RWE gegen die Urananreicherungsanlage in Gronau, an der das Unternehmen Anteile hält. Auch gegen die Abschottung der europäischen Grenzen wollten die Demonstranten rund fünf Wochen vor der Europawahl ein Zeichen setzen. „Flüchtlinge dürfen nicht mit Gewalt von den Grenzen abgewiesen werden“, verlangte Joachim Schramm, Sprecher des Organisationskreises Ostermarsch Rhein Ruhr, am Sonntag.

In Frankfurt (Oder) beteiligten sich bis zu 100 Menschen an einem Ostermarsch. Aufgerufen hatten mehrere Gruppierungen unter dem Motto „Nato- und EU-Kriege stoppen“. In Nauen bei Berlin war am Abend ein Ostermarsch geplant.

In den 80ern beteiligten sich bis zu eine Million Menschen an den Märschen

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, rief angesichts der Lage in der Ukraine, Syrien und Afrika zur Teilnahme an Ostermärschen auf: „Lasst uns für Frieden beten und in den Ostermärschen dafür auf die Straße gehen“, erklärte Junkermann am Sonntag in ihrer Osterpredigt in Magdeburg.

Schon am Samstag fand der traditionelle Ostermarsch in Berlin statt. Dort gingen nach Veranstalterangaben rund 1000 Menschen gegen Krieg, Aufrüstung und den Handel von Waffen sowie militärischer Ausrüstung auf die Straße. Das Motto der Demonstration lautete „Krieg wird gemacht - wir stellen uns dagegen“. In Berlin liefen die Teilnehmer von der Weidendammbrücke bis zur Neuen Wache unter den Linden. Die Sicherheitsbehörden schätzte die Anzahl der Menschen, die sich am Marsch beteiligten, etwas geringer auf 700 Menschen.

Die Ostermärsche für Frieden und Abrüstung finden in diesem Jahr nur mäßigen Zulauf. Am Samstag waren in mehreren Städten einige tausend Menschen auf die Straße gegangen. In den 1980er Jahren hatte das atomare Wettrüsten zwischen Ost und West bis zu eine Million Menschen zu den Ostermärschen gelockt.

Für Ostermontag sind weitere Märsche angekündigt

Die Ostermärsche gehen am Montag zuende. Die Veranstalter hoffen auf die Teilnahme tausender Menschen unter anderem in Hamburg und Frankfurt. Genau 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs steht auch ein möglicher bewaffneter Ukraine-Konflikt im Mittelpunkt der Proteste. Insgesamt waren seit Karfreitag bundesweit mehr als 90 Veranstaltungen angemeldet - 2013 waren es nur knapp 80. Die Zahl der Demonstranten schwanke in der Geschichte der Ostermärsche immer wieder stark. (Tsp/dpa)

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