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Tschechien : Gauck besucht Gedenkstätte in Lidice

11.10.2012 00:00 Uhrvon

Dass Gauck bei dem Besuch in Lidice von Staatspräsident Václav Klaus begleitet wird, gilt in Prag als wichtiges Symbol. Bislang haben deutsche Politiker die Gedenkstätte zumeist ohne hochrangige tschechische Begleitung besucht. Was sagt das über das deutsch-tschechische Verhältnis?

Die Kulisse war prächtig: Vor der imposanten Prager Burg wurde der rote Teppich für Joachim Gauck ausgerollt, herzlich fiel der Händedruck mit seinem tschechischen Amtskollegen Václav Klaus aus. „Wir sind beide im Krieg geboren worden“, sagt Gauck: „Wir können das beide nicht so selbstverständlich hinnehmen, wenn die deutsche Nationalhymne auf der Prager Burg gespielt wird. Wir sind glücklich, dass wir diese Zeit der Freundschaft erleben dürfen.“ Aus Gaucks Prag-Reise wurde ein Besuch der großen Gesten – und tschechische Kommentatoren feiern ihn als Versöhner.

Gaucks Begrüßungsworte gaben in Prag den Ton vor: Er sei gekommen, um den Opfern der deutschen Barbarei in der Vergangenheit seinen Respekt zu zollen, betonte Gauck.

Auf seinen Wunsch hin besuchte er die Gedenkstätte in Lidice – jenem Ort, der 1942 von den Nazis ausgelöscht worden ist als Vergeltung für das Attentat auf Hitlers Prager Statthalter Reinhard Heydrich. Vereinzelt sind dort noch die Grundmauern von zerstörten Bauernhöfen zu sehen. Die Erinnerung an das Massaker, bei dem alle Männer des Dorfes und zahlreiche Frauen ermordet worden sind, überschattet bis heute die deutsch-tschechischen Beziehungen. Am Ort des Verbrechens legte er einen Kranz nieder und umarmte eine alte Dame, die damals als Kind überlebt hatte. Als Symbol für die neuen, guten Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien sang ein Kindergarten-Chor aus dem Ort für Gauck ein Volkslied, das den Präsidenten sichtlich rührte. „Wir haben erwartet, hier nur traurige Denkmäler zu sehen. Die gibt es auch. Aber es gibt auch Euch. Ihr habt uns ein großes Geschenk gemacht!“

Als besonders symbolträchtig gilt, dass der tschechische Präsident Václav Klaus seinen deutschen Gast nach Lidice begleitet hat. Bislang haben deutsche Politiker die Gedenkstätte zumeist ohne hochrangige tschechische Begleitung besucht. „Ich bin sehr froh, dass Herr Präsident Gauck heute nach Lidice fährt“, sagte Klaus. „Ich bin genauso wie er davon überzeugt, dass wir die Vergangenheit der weiteren Generation gut erläutern und die Erinnerungen weitergeben müssen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.“

Das zweite historische Thema, das die Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien bis heute belastet, kam allerdings bei Gaucks Prag-Besuch nicht zur Sprache – die Vertreibung der Sudetendeutschen. „Dies ist mein erster Besuch als Präsident hier. Und deshalb vermische ich das Thema – den Toten, die durch deutsche Mörder ums Leben gekommen sind, Respekt zu erweisen – nicht mit anderen Themen“, antwortete Gauck auf die Frage von Journalisten. In Tschechien beginnt gerade eine Debatte über den Umgang mit der eigenen Vergangenheit und mit den Verbrechen, die auch von Tschechen begangen worden sind. Gerade Václav Klaus hat diese neue Form der Vergangenheitsaufarbeitung in den zurückliegenden Jahren wiederholt kritisiert: Man dürfe nie vergessen, was in der Geschichte Ursache und was Folge sei. Gauck hat das Thema wohl auch wegen solcher Empfindlichkeiten ausgespart: „Ich möchte nicht derjenige sein, der innertschechische Debatten beeinflusst“, sagte er auf der Prager Burg.

Bei dem Staatsbesuch ging es auch um die Eurokrise. Klaus gilt als harscher Kritiker der EU und der Gemeinschaftswährung. Im Gespräch mit Gauck kritisierte er harsch die derzeitige Krisenbewältigung der EU. Die Lösung der Probleme könne nicht sein, dass man jetzt auch noch das Geld der konkurrenzfähigen Staaten ausgebe. Gauck warb für den Kurs der deutschen Regierung. „Präsident Klaus ist Ökonom und Professor, ich bin evangelischer Theologe", sagte Gauck augenzwinkernd: „Dieser Berufsstand hat die Tendenz zu einer Haltung, die Vaclav Klaus vielleicht als Naivität bezeichnen würde.“ Kilian Kirchgeßner

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