Politik : Türkei siedelt syrische Flüchtlinge um

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Istanbul - Promi-Besuch im Flüchtlingscamp: Die US-Schauspielerin Angelina Jolie sprach am Donnerstag in ihrer Eigenschaft als UN-Sondergesandte mit syrischen Flüchtlingen im türkischen Lager Öncüpinar in unmittelbarer Nähe der Grenze in der südostanatolischen Provinz Kilis. Das Lager für 12 000 Menschen besteht aus Wohncontainern und gilt als das beste der türkischen Auffanglager in der Region. Doch abseits des Rummels um den Hollywoodstar macht sich Unmut breit im türkisch-syrischen Grenzgebiet. Die türkische Regierung hat damit begonnen, syrische Flüchtlinge in andere Landesteile umzusiedeln. Denn in Teilen der Grenzregion wächst der Unwillen gegen die Syrer.

In der Grenzprovinz Hatay zum Beispiel nahmen am 1. September mehrere tausend Menschen an einer Demonstration für den syrischen Präsidenten Baschar al Assad teil. In der Provinz, die bis 1938 zu Syrien gehörte, leben viele Alevis, Mitglieder einer muslimischen Minderheit, die mit Assads Glaubensgemeinschaft der Alawiten verwandt ist. Die meisten Syrer, die nach Hatay geflohen sind, gehören dagegen der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit an. „Die Leute hier haben nichts gegen Flüchtlinge aus Syrien“, sagte der Oppositionsabgeordnete Mehmet Ali Ediboglu, der Hatay im Parlament von Ankara vertritt, dem Tagesspiegel. „Aber sie haben etwas dagegen, dass es so viele Ausländer auf der Straße und außerhalb der Camps gibt.“ In den Augen vieler Menschen in Hatay sind aus den Flüchtlingen ungebetene Gäste geworden.

Angesichts der Spannungen zieht Ankara jetzt die Notbremse. Syrer, die in angemieteten Wohnungen leben, sollen entweder in die Lager oder aber in andere Landesteile der Türkei außerhalb der Grenzregion umziehen. „Wir müssen das regeln“, sagte ein türkischer Regierungsvertreter. „Wir bitten sie höflich, sich in einem Lager zu melden oder in andere Städte umzuziehen.“ Nach türkischen Regierungsangaben haben bis zu 40 000 Syrer außerhalb der Flüchtlingslager eine Bleibe gefunden. Thomas Seibert

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