Türkischer Jet von Syrien abgeschossen : Ankara scheut die militärische Eskalation
24.06.2012 00:00 UhrNachdem die syrische Luftabwehr am Freitagabend über dem östlichen Mittelmeer eine türkische Militärmaschine abgeschossen hat, sieht die Türkei sich unangenehmen Fragen ausgesetzt – und ringt um die richtige Antwort. Staatspräsident Abdullah Gül sagte am Samstag, dass dieses Aufklärungsflugzeug tatsächlich, wie von der syrischen Regierung angegeben, den Luftraum des Nachbarn verletzt haben könnte.
Ankara kündigte an, als Reaktion auf den Vorfall würden die „notwendigen Schritte“ unternommen. Die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung als Folge aus dem Abschuss wurde von Beobachtern aber als gering eingestuft. Nach den beiden Piloten wurde unterdessen immer noch in einem Sektor des Meeres rund zehn Kilometer vor der syrischen Küste gesucht.
Die unbewaffnete Maschine vom Typ Phantom F-4 war am Freitagmittag vom osttürkischen Malatya aus gestartet; etwa neunzig Minuten später brach die Verbindung zu dem Jet ab. Nach syrischen Angaben eröffnete die Luftabwehr in der Nähe der Küstenstadt Latakya das Feuer auf ein Militärflugzeug, dass sich mit hoher Geschwindigkeit und in niedriger Flughöhe dem syrischen Festland näherte. Die Maschine wurde demnach etwa einen Kilometer vor der Küste getroffen und stürzte anschließend etwa zehn Kilometer vom Land entfernt ins Meer.
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Türkische Medien zitierten Küstenbewohner der Grenzprovinz Hatay, wenige Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt. Sie hatten beobachtet, dass zunächst ein Militärjet aufs Meer hinausgeflogen sei und anschließend drei Explosionen zu hören gewesen seien. Die türkische Zeitung „Hürriyet“ zeigte auf ihrer Website ein Video, das nach Angaben der Zeitung von syrischen Strandbesuchern in der Nähe des Abschussortes aufgenommen wurde. In dem Clip sind Schüsse zu hören. Zudem zeigen die Menschen auf ein Objekt am Horizont.
Die türkische Regierung erklärte nach einer Krisensitzung der politischen und militärischen Führung in der Nacht zum Samstag, nach Aufklärung des Zwischenfalls werde die Türkei ihre endgültige Haltung formulieren. Einige Beobachter in der Türkei kommentierten, die Türkei werde sich wegen des Angriffs auf ihren Jet möglicherweise an die Nato wenden.
Doch das Ausbleiben klarer Schuldzuweisungen der Regierung an die Adresse Syriens sowie die Stellungnahme von Staatspräsident Gül über eine mögliche Luftraumverletzung durch den türkischen Jet legten nahe, dass Ankara nicht daran interessiert ist, die Affäre zum Anlass für eine militärische Auseinandersetzung mit dem Nachbarland zu nehmen. Gül sagte, angesichts der hohen Geschwindigkeiten der Militärjets sei eine kurzzeitige Grenzübertretung „Routine“ und dürfe nicht als Ausdruck feindseliger Absichten verstanden werden. Syrien erklärte, man habe erst nach dem Abschuss herausgefunden, dass es sich um ein türkisches Flugzeug handelte.



































